An dieser Stelle möchte ich all denjenigen von euch gratulieren, die es bis hierher geschafft haben. Ein weiteres Jahr, dominiert von einer weltweiten Seuche und deren Folgen, liegt hinter uns. Wer ab und zu mal Nachrichten liest oder sich auch einfach nur umschaut, weiß, dass es absolut keine Selbstverständlichkeit ist, so ein Jahr mit intaktem Körper und/oder intakter Psyche zu überstehen. Holt euch euren virtuellen Hartes-Leben-Siegerbutton, belohnt euch mit einem Drink und genießt meine erlesenen Musikempfehlungen. Frei nach dem Motto Art Is Resistance haben Künstler, die ja mitunter am stärksten unter der Pandemie leiden mussten, sich nicht unterkriegen lassen und unsere Leben auch weiterhin mit ihrer Kreativität und ihrer Arbeit versüßt oder stellenweise sogar aufrecht erhalten. Ein Toast also, auf all die großartigen Bastarde in der Kunst- und Musikbranche!

Trivium – In The Court Of The Dragon

Keine Best-Of-Liste ohne Trivium. Gut, theoretisch wäre es möglich, brächte diese Band mal ein mittelmäßiges Album heraus. Stattdessen bringen Trivium mit diesem Album wieder etwas Abwechslung in ihre Diskografie, indem sie sich stilistisch wieder in Richtung ihrer älteren, progressiveren Alben bewegen. Vor allem Shogun kommt einem ins Gedächtnis, wenn man sich In The Court Of The Dragon anhört. Und wenn sich Trivium-Fans eine Sache jemals gewünscht haben, ist es noch mehr Shogun. Fan-Service erster Klasse.

Spiritbox -Eternal Blue

An dieser Stelle möchte ich den Titel Debütalbum des Jahres an Eternal Blue vergeben. Spiritbox waren bis dato eher ein Geheimtipp, der mit einzelnen Single/EP-Veröffentlichungen Aufmerksamkeit erregt hat. Dass das langersehnte Album ein Knaller werden würde, hatte zwar niemand ernsthaft bezweifelt, aber Eternal Blue schlug trotzdem ein wie eine Bombe. Die gelungene Mischung aus lieblichem Poprock und krachigem Metalcore macht sogar dem elitärsten Grummelmetaller Lust auf mehr. Der Genremix mag nicht neu sein, aber in dieser Qualität hat man ihn selten bis nie gehört! Bin gespannt, was wir von diesen Kanadiern in Zukunft noch geliefert bekommen!

Sleep Token – This Place Will Become Your Tomb

Sleep Token sind ein echtes Phänomen. Nicht nur hat kein Schwanz eine Ahnung, wer diese Typen überhaupt sind. Auch ist deren Musik einfach zum Dahinschmelzen. Die Idee, schnulzige Popballaden mit harten Metalklängen zu mischen, ist zwar nicht neu, aber dennoch haben Sleep Token einen ganz eigenen und unverwechselbaren Sound. Das perfekt sitzende Songwriting und die grandiose Abmischung bestärken auch meinen Verdacht, dass es sich hier um eine Art Supergroup handeln könnte; aber diese Truppe spielt ihre Maskerade so perfekt, dass tatsächlich niemand etwas Näheres darüber weiß. So bleiben Sleep Token auch 2021 einfach ein sehr verführerisches Mysterium. Zündet Kerzen an, schenkt euch Wein ein und genießt dieses grandiose Stück Musik.

Harakiri for the Sky – Mære

Dieses Duo aus Österreich hatte sich schon lange in mein Herz gespielt und legten 2021 mit Mære nochmal einen drauf. Atmosphärischer Post-Rock meets Black Metal, aber mit einem Maß an Finesse und Spielfreude, das man aus dieser Genreecke nur noch von Alcest kennt. Dessen Sänger hat in Track Nummer zwei sogar einen Gastauftritt, was an sich schon ein weiteres Qualitätssiegel ist, falls ihr meinem nicht vertraut. Wer also auf entspannt-verträumt-atmosphärische Musik steht, sollte dieses Album also auf jeden Fall in seiner Bibliothek haben.

Architects – For Those That Wish To Exist

Auch Architects machen es einem schwer, die Erwähnung in der Jahrestopliste zu umgehen. Zwar hat auch For Those That Wish To Exist ein paar Hänger, die das Album zurückhalten; dennoch ist auch dieses Album mal wieder qualitativ weit über dem, was 99% aller anderen Bands abliefern. Jegliches Gemecker meinerseits ist also auf sehr hohem Niveau. Es ist unwahrscheinlich, dass irgendjemand das Teil verpasst hat, aber falls doch: Nachholen!

DVNE – Etemen Ænka

Diese schottische Band hat mich dieses Jahr mit ihrem Release nachhaltig beeindruckt. Etemen Ænka ist atmosphärisch, spannend, mitreißend und technisch sehr ausgereift. Wer vom brillanten Release von Harakiri For The Sky noch nicht genug von solchem Zeug bekam, hat durch DVNE quasi schon sein zweites Weihnachten in diesem Jahr erlebt. Ganz großes Kino.

Devil Sold His Soul – Loss

Ich höre nicht immer melancholische Musik, aber wenn ich es tue, steht dieses Sextett aus London ganz weit oben in der Liste. Devil Sold His Soul sind ein gutes Beispiel für eine Band, die sich stetig weiterentwickelt, Genres und Stile wild durcheinandermischt, aber dabei trotzdem ihrem eigenen Stil und Sound treu bleibt. Dieser ist nicht nur gewagt, sondern auch unverwechselbar. Zumindest fallen mir nicht viele Bands ein, die Post-Rock, Metalcore, Emocore, Shoegaze und Prog-Rock vermischen und daraus auch noch kohärente, toll geschriebene Songs bauen. Das neueste Werk Loss zeigt, wie exzellent diese Band eingespielt ist. Hier stimmt absolut alles: Emotion, Heaviness, Atmosphäre. Live übrigens auch ein besonderes Erlebnis.

Vola – Witness

Die Dänisch-Schwedische Progtruppe VOLA habe ich bereits seit ihrem Debütalbum Inmazes im Auge. Ein hohes Maß an musikalischem Können und songschreiberischem Talent machte diese Band sofort für mich interessant, auch wenn Inmazes und der Nachfolger Applause Of A Distant Crowd mich nie wirklich fesseln konnten. Das neuste Album Witness hat das aber endlich geschafft. Die magische Geheimzutat? Man kann das schwer in Worte fassen, aber viele von euch werden das kennen: Man findet eine Band im Grunde genommen super, aber irgendein kleiner Teil fehl, um so richtig eine Connection mit ihrer Musik aufzubauen. Meiner Meinung nach ist das Zusammenspiel der Band beim kreativen Schaffensprozess dieser Teil. Musik ist erst richtig gut, wenn sie diesen gewissen „Flow State“ hat und organisch zusammengewachsen ist. Witness zeigt diese Entwicklung einer Band ziemlich eindrucksvoll, denn dieses Album wirkt wie aus einem Guss, fesselt den Zuhörer und zieht ihn in seinen Bann. Das funktioniert besonders durch die hervorragende Balance von epischen Prog-Hymnen (Napalm), harten Rock/Metal-Krachern (Head Mounted Sideways) und sphärischen Tagträumern (Freak). So muss ein Prog-Album klingen!

Andromida – Hellscape

Musikalischen Soloprojekten stehe ich grundsätzlich kritisch gegenüber, aber für Andromida mache ich eine Ausnahme. Hinter dem Namen steht Ramon Gutierrez, der trotz seiner Blindheit gefühlt ständig neue Musik und Collabs raushaut. Für sein 2021er Album Hellscape hat er sich von Nick Gordon’s DOOM-Soundtrack inspirieren lassen und seinen wir mal ehrlich: Von dem Shit kriegen wir nie genug. Hellscape ist ein geiles Album zum trainieren, putzen, einkaufen, Autofahren… Jedoch sollte man sich bei all diesen Tätigkeiten dann auch außer Reichweite einer Kettensäge befinden. Just saying…

Wheel – Resident Human

In meinem Playlist Update habe ich diese Band bereits als legitimen Tool-Ersatz bezeichnet und damit kann ich diesen Absatz hier auch eigentlich schließen. Resident Human ist eine absolute Granate von einem Album und ein Fest für jeden, der mit progressivem Rock/Metal auch nur ein bisschen was anfangen kann.

Be’lakor – Coherence

Das neueste Machwerk der Australischen Wunderknaben habe ich ja im letzten Playlist Update schon besprochen. Wie kaum eine andere Band vermögen Be’lakor es, spannende Deathmetalsongs in Überlänge zu schreiben. Coherence ist zwar nicht das beste Album der Band (dieser Titel bleibt bei Of Breath And Bone), aber ist ein verdammt gut geschriebenes und performtes Stück Musik.

Whitechapel – Kin

Der Preis für die beeindruckendste musikalische Entwicklung einer Band geht an Whitechapel. Das Quintett aus Knoxville war für mich immer eine solide Metal-/Deathcore Combo gewesen, die ein paar meiner sehr epischen Gym-Sessions befeuert hat, mehr aber auch nicht. Mit dem 2019er-Album The Valley änderte sich das schlagartig. Sänger Phil Bozeman hatte scheinbar ordentlich Gesangsunterricht genommen, denn auf einmal war Klargesang fester Bestandteil des Song- bzw. Albumwritings. Und Boy, kann der Typ singen! The Valley war ein beeindruckendes Showcase von Whitechapel’s musikalischer Bandbreite, die von nuklearer Moshpitzerstörung bis hin zu melancholischer Lagerfeuerromantik reicht. Diese enorme Bandbreite an Stimmungen, Emotionen und Musikstilen wird auf Kin nun sogar noch besser herausgearbeitet und wirkt beeindruckend ausgereift und kohärent. Ich habe mir kurz überlegt, ob ich das sagen darf, aber fuck it… Diesen souveränen und meisterlichen Umgang mit Stimmungen, Tempo und Atmosphäre habe ich wahrscheinlich seit Opeth’s Blackwater Park nicht mehr gehört. Richtig richtig richtig geil.

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