Wer das letzte While She Sleeps Album schon als absolutes Jahreshighlight gepriesen hat und immer noch unter einer schmerzenden Fresse von Whitechapel’s „The Valley“ leidet, ist auf HAIL STAN wahrscheinlich nicht vorbereitet. Dass Periphery gute Songs und Alben schreiben können, sollte kein Geheimnis mehr sein. Dennoch kann man unmöglich auf HAIL STAN vorbereitet sein.

Bevor ich das jetzt ein drittes Mal wiederhole, fange ich mal mit meiner Betrachtung dessen an, was Periphery uns vorgelegt haben:

Geilster Albumtitel des Jahres

Periphery hatten schon immer einen speziellen Sinn für Humor, wie man an einigen Songtiteln („Facepalm Mute“ und „Habitual Line-Stepper“ als meine favs) immer mal wieder sehen konnte. HAIL STAN wird sicherlich den Preis für den am öftesten verlesenen Albumtitel mit nach Hause nehmen und zeigt, dass die Band sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Sehr sympathisch!

Der Eröffnungs-Track

Ist verfickte 17 Minuten lang! Welche Band macht das heutzutage noch (ohne wirren Progscheiß zu spielen)? Für die wenigen, die diesen Beitrag jetzt immer noch lesen: „Reptile“ geht trotz seiner Länge runter wie Öl und ist ein Paradebeispiel für Periphery’s Songwriting-Fähigkeiten. Los geht’s mit einer kleinen Orchestral-Einführung, die sich ein bisschen nach Assassin’s Creed Soundtrack anhört und in einen Bandtypischen Djent/Core/Melodic-Track mündet, der sich immer weiter steigert und gerade zu bombastisch wird. Rechtzeitig nehmen Periphery dann das Tempo raus und lassen die Intensität immer wieder auf- und abschwellen, während Spencer Sotelo seine gesangliche Überlegenheit präsentiert. In der Mitte wird’s dann kurz ruhig und atmosphärisch, bevor man dann für ein paar Momente von einem klassischen Djent-Breakdown-Part überfahren wird. In den letzten 3 Minuten steigert sich die Intensität nochmal ein Stück und spätestens jetzt schaut man auch ungläubig auf seinen Player. Denn ja, man ist immer noch beim ersten Song, der für sich alleine schon das letzte TesseracT-Album in die Bedeutungslosigkeit geblasen hat (und gefühlt auch länger ist).

Abwechslung

Auf HAIL STAN tragen Periphery stolz ihr musikalisches Repertoire zur Schau. Harte Djent-Dampfwalzen („Blood Eagle“, „CHVRCH BVRNER“), abwechslungsreiche, energetisierende Tracks („Garden in the Bones“, „Sentient Glow“), Muse-Verneigungen („Crush“) und zu guter Letzt mit „Satellites“ ein Epos, das gehaltvoller ist als 99% aller modernen Metal Alben(!), die man zur Zeit von Spotify vorgeschlagen bekommt.

Stimmigkeit

Vor einigen Jahren hörte man schon Musiker und Musikindustrielle predigen, das Album als Musikformat sei tot. Das hat sich bis jetzt zum Glück nicht bewahrheitet und das liegt vor allem an kreativen Künstlern, die es schaffen, unterschiedlich klingende Songs zu schreiben, die letztlich irgendwie zusammen passen und so ein stimmiges Album bilden. Periphery gehören ohne Zweifel zu diesen Künstlern. „Periphery III: Select Difficulty“ war ein ein recht wildes Sammelsurium abgefahrener Musikstücke, doch mit Teil IV haben die Jungs aus Washington ihrer Musik wieder eine Art roten Faden verpasst, der zunächst nicht offensichtlich hervorsticht, weil die Songs so unterschiedlich klingen; dennoch klingt das Album wie aus einem Guss und bietet ein stimmiges, flüssiges Durchhörerlebnis. Mit stolzen 64 Minuten ein recht langes noch dazu, da bekommt man als Musikfan mal wieder was für sein Geld.

Ein musikalischer Höhepunkt des Jahres

Gut, man kann über 2019 bis jetzt nicht wirklich meckern. Es wurde zwar gewohnt viel Scheiße auf den Musikmarkt geworfen, aber dank BMTH, Fallujah, While She Sleeps und Whitechapel gab’s bisher ein paar gute Sachen auf die Ohren. Dennoch ist „Periphery IV: HAIL STAN“ ein besonders heller Stern am Musikhimmel. Bisher hat man der Band vorwerfen können, noch unausgeschöpftes Potenzial oder sich noch nicht richtig gefunden zu haben. Seit 2016 hat sich jedoch einiges getan, darunter die Gründung eines eigenen Plattenlabels(!) und scheinbar auch ein ordentlicher Kreativschub. Jedenfalls ist HAIL STAN ein Ausrufezeichen im Djent- und Modern-Metal-Bereich, das die Messlatte für andere Veröffentlichungen aus diesen Genres richtig fies hochlegt. Muss man gehört haben.

Bonuspunkt: Die Titelmusik von Alfred Hitchcock’s „Psycho“ wird auch verwurstet.

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