Bring Me The Horizon haben jetzt schon das beste Pop-Album 2019 veröffentlicht. Gute 15 Jahre lang haben die fünf Jungs aus Sheffield mit ihrem Stil experimentiert. Angefangen mit astreinem Deathcore, dann immer mehr melodische Elemente eingebaut, bis sie schließlich mit That’s The Spirit ein fantastisches und stimmig klingendes PopRock-Album herausbrachten, das seinerzeit schon gemischte Reaktionen hervorrief. Ich selbst liebte dieses Album. Da ich nie großer Fan des alten Materials der Band war, das irgendwie nie zu 100% stimmig und ausgereift klang (aber vielleicht gerade deshalb eine große Fanbasis fand), kam dieser plötzliche Stil- und Qualitätssprung gut bei mir an. Qualitätssprung deshalb, weil BMTH zum ersten mal so klangen, als hätten sie ihren Stil gefunden, oder viel mehr als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht, so solide und stimmig kam das Album rüber.

Wer nun dachte, die Band hätte den Höhepunkt ihrer Experimente oder ihren Trademark-Sound erreicht, wird mit amo nun eines Besseren belehrt. Die Richtung geht straight weiter in Richtung Pop, aber ihre Rock/Metal Wurzeln loslassen möchten BMTH scheinbar trotzdem nicht. So kommt ein interessanter Stilmix zustande.

Los geht es mit einem Stimmungsvollen elektronischen Introtrack und der ersten Singleauskopplung „MANTRA“, welche den meisten Leuten bekannt sein dürfte und stilistisch an das Vorgängeralbum anknüpft. „MANTRA“ ist ein echter Kracher und Qualitätstrack, der noch lange in diversen Playlisten verweilen wird, obwohl das Stück schon vor einigen Monaten veröffentlicht wurde.

Den ersten WTF???-Moment gibt es dann sofort danach bei „nihilist blues“. Zusammen mit dem Kanadischen Synthpop-Sternchen Grimes haben BMTH hier einen astreinen Electro-Brecher produziert, der so auch in jedem einschlägigen Nachtclub laufen könnte, wären da nicht die typischen Bring Me The Horizon lyrics.

I’m a spirit in a tomb
Won’t somebody raise the roof
I’m going white, I’m going black, I’m going blue
Do you mind if I’m exhumed?

Landet so schnell nicht in den Clubcharts.

Spätestens hier (nach der fünften Minute des Albums!!!!) ist der durchschnittliche verbohrte Fanboy komplett raus und geht verwirrt die Kommentarspalten der sozialen Medien vollkotzen.

Und ich raste vor Begeisterung aus, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen so krassen Stilbruch auf einem vermeintlichen Metal-Album gehört.

Weiter geht’s mit dem Popsong „in the dark“, der so auch aus der Feder von Ed Sheeran stammen könnte (bis auf die runtergestimmten Gitarren im Chorus), was meinen Kiefer noch einen Zentimeter mehr herunterklappen lässt. Die Jungs trauen sich was!

Backstreet Boys?

Um das ganze nicht zu sehr ausarten zu lassen gibt’s mit „wonderful life“, „medicine“ und „sugar honey ice & tea“ wieder gewohnte Kost aus der that’s the spirit-Zeit, mit dem super coolen Electro-Interlude „ouch“ dazwischen, dass ein bisschen nach Pretty Lights klingt (was für sich schon ein Kompliment ist).

Elektronischer wird es wieder mit „why you gotta kick me when I’m down?“ (das KoRn wahrscheinlich gerne auf Path of Totality gehabt hätten) und dem stimmungsvollen 3-Minuten Interlude „fresh bruises“, bevor dem Hörer mit dem ultraschmalzpoppigen „mother tongue“ vor den Kopf gestoßen wird. Meiner Meinung nach der schwächste Track des Albums und gleichzeitig ein fieser Ohrwurm. Scheiße!

Erstaunlich stark ist dafür der Schluss des Albums. „heavy metal“ ist wieder so ein Path of Totality-Anwärter, mit einem wilden Mix aus Electro, Metal und Trapbeats.

„i don’t know what to say“ ist in vielerlei Hinsicht der Abschiedstrack. Oli Sykes hat den für seinen verstorbenen Freund Aidan geschrieben und nach so einer wilden Achterbahnfahrt eines Albums bin ich ziemlich sprachlos, dass Bring Me The Horizon dieses Kapitel mit so einem kraftvollen und emotionalen Song schließen. Wahnsinn.

TL;DR:

Wie schon angedeutet, amo werden die wenigsten BMTH– oder Metalfans mögen. In meinen Augen ist das Album jedoch ein spannender und qualitativ extrem gelungener (und mit 51 Minuten ein absolut nicht sparsamer) Stilmix und ein fantastisches Pop-Album, wenn man sich darauf einlässt. Die Band drückt es in ihren Lyrics am besten aus:

And I keep picking petals
I’m afraid you don’t love me anymore
‚Cause a kid on the ‚gram in a Black Dahlia tank
Says it ain’t heavy metal
And that’s alright

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