Meine lieben Freunde, es ist wieder soweit. Das Jahr 2022 Musikfans in vielerlei Hinsicht beschenkt: Man kann wieder auf Konzerte gehen, die ersten Festivals fanden wieder statt und man durfte sich wieder legal auf dem Aldi-Parkplatz treffen, um Hansa Pils zu saufen und Mayhem aus einem ranzigen Kofferraumlautsprecher zu hören. Passend dazu gabs auch ein paar tolle Albenveröffentlichungen, von denen ich meine liebsten wie immer für euch in eine Liste gepackt habe. Ebenfalls wie immer ist diese Liste ohne Reihenfolge oder Rangordnung, denn wer hat schon jeden Tag den selben Musikgeschmack? Im übrigen bin ich ganz stolz auf die Tatsache, dass ich die Liste dieses Mal bereits im Januar fertiggestellt habe. Jetzt aber genug der Vorworte, hier ist der heißeste Shit des Jahres 2022:

Zeal & Ardor – Zeal & Ardor

Manuel Gagneux‘ Musikprojekt hat schon seit seiner Entstehung eine begeisterte Fanbasis. Die ebenso abenteuerliche wie stimmige Mischung von Gospel, Rock und Black Metal funktioniert nicht zuletzt wegen seines musikalischen Genies so enorm gut und lockt mit jeden Release mehr Leute in Konzerthallen und Plattenläden. Auf dem selbstbetitelten Album von 2022 präsentieren sich Gagneux und Gang dabei so selbstbewusst, ausgereift und kohärent wie nie und spielen hörbar auf dem musikalischen Zenit der Band. Zenit heißt aber nicht, dass es danach wieder bergab gehen muss. Dazu haben die Jungs und Mädels auf Tour einfach zu viel Energie und Spielfreude gezeigt. Ich freue mich jetzt schon wie Bolle auf das nächste Album und so lange läuft Zeal & Ardor bei mir auf und ab.

Bad Omens – The Death of Peace of Mind

Einen musikalischen Zenit demonstrierten uns auch Bad Omens aus Richmond, Virginia. Bisher hat man die Band noch bestenfalls als mittelmäßige 08/15 Nu/Metal/Core-Kapelle belächeln können, die hin und wieder mal einen sehr guten Song abliefern konnten. The Death of Peace of Mind überraschte dann aber doch mit ausgereiftem Songwriting, viel Abwechslung und jeder Menge Ohrwurmpotenzial. Wer sich ohnehin für BMTH und Konsorten begeistern kann, bekommt mit dieser Scheibe einen wahren Leckerbissen serviert, der sich gerade wegen dem hohen Maß an Abwechslung problemlos am Stück und in Dauerschleife durchhören lässt. Und mal so unter uns: Das „Vorbild“ aus Großbritannien haben diese Jungs mittlerweile locker eingeholt.

Allegaeon – Damnum

Noch eine Überraschung kam von Allegaeon, deren Bandname ich auch beim zehnten Versuch noch falsch schreibe. Copy & Paste seien gepriesen. Das 2019er-Album Apoptosis war zwar gut, blieb bei mir aber nie so richtig hängen. Mir hatte das letzte Bisschen Schliff gefehlt. Damnum hat mich dann mich dann plötzlich unerwartet umgehauen. Auch diese Band zeigt hier auf einmal ein bisher ungehörtes Maß an Kreativität und Songschreiberischer Qualität. 60 Minuten Laufzeit können lang sein, nicht aber auf diesem Album. Von tightem Deathmetal-Geknüppel bis hin zu verspielten Akustik-Interludes wird dem Hörer wirklich einiges geboten und so hört man Damnum auch gerne zwei mal hintereinander durch. Bin sehr darauf gespannt, diese Truppe mal live zu sehen.

Hath – All That Was Promised

Wer dem ganz alten Opeth Shit hinterhertrauert, sollte sich mal Hath zu gemüte führen. Zwar spielt dieses Quartett aus New Jersey nicht so sehr mit melancholischer und düsterer Atmosphäre in ihren Songs, bieten aber einen ähnlich spannenden Stilmix aus tightem Death Metal und progressiveren Songstrukturen. All That Was Promised kann volle Kanne geradeausknüppeln und wenige Momente später den Hörer mit verträumten Melodien in seinen Bann ziehen. Hat man dieses Album mal gestartet, lässt es einen nicht mehr so schnell los, also macht euren Lieblingsdrink, legt die Füße auf den Tisch und gönnt euch.

Northlane – Obsidian

Dass Northlane zu meinen Lieblingsbands gehören, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Mittlerweile haben sich meine Lieblingsaustralier ganz vom klassischen Djent/Metalcore wegbewegt und haben sich auf ihren futuristischen Mix aus Metal, Synthesizern und Samples eingeschossen. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich persönlich stehe total drauf. Vor allem auch weil die Jungs ein Händchen für Songwriting haben und meiner Meinung nach mit die besten Songtexte weit und breit raushauen. Obsidian mag Puristen abschrecken, aber für mich ist es aus der Dauerrotation nicht wegzudenken.

White Ward – Oblivion

Eine der Neuentdeckungen des Jahres waren für mich White Ward. Ukrainische Künstler werden ja generell aus diversen Gründen gerade gepusht, was im Falle dieser Band eine echte Bereicherung meiner Liste hervorgebracht hat. Stilistisch kann man das Quintett aus Odesa als Hipster-Black-Metal à la Deafheaven mit Jazz-Einflüssen beschreiben. Letztere kommen aber nicht etwa vom Band; die Jungs haben mit Dima Dudko tatsächlich einen echten Saxofonisten im Line-Up, der hauptsächlich in den ruhigen Passagen zum Einsatz kommt. Dabei verzichten White Ward aber auf avantgardistische Songstrukturen, sondern legen viel Wert auf Atmosphäre. Das macht Oblivion zu einem empfehlenswerten Anspieltipp, sowohl für Einsteiger als auch langjährige Genreliebhaber.

Credic – Vermillion Oceans

Ich wäre ein schlechte Freund, wenn ich meine Buben nicht mit auf diese Liste nehmen würde. Und ihr wärt schlechte Metalfans, wenn ihr in dieses Album nicht zumindest mal reinhören würdet. Credic sind ein Paradebeispiel für eine Band, die sich gerade von ihren musikalischen Vorbildern gelöst hat und nun auf eigenen Beinen steht. Vermillion Oceans ist diese Befreiung in jeder Sekunde anzuhören und begeistert durch Spielfreude, Herzblut und kreative Energie. Kauf nicht jeden Scheiß aus Übersee, Credic haben Eier aus Regionaler Erzeugung!

Kardashev – Liminal Rite

Okay, jetzt mal wieder serious business hier. Kardashev sind ein gefundenes Fressen für Fans atmosphörischer Black-Metal-Musik. Wer sich für Bands wie Celeste (haben auch ein geiles Album rausgebracht), Alcest oder Der Weg einer Freiheit begeistern kann, sollte dieser Band auf jeden Fall auch eine Chance geben. Liminal Rite muss sich zwar auf jeden Fall den Vergleich mit den französischen Vorbildern gefallen lassen, ist aber dennoch ein ganz hervorragend gestricktes Album, das den Hörer ganz schnell in seinen Bann zieht. Eben die Art Black Metal, die zu Rotwein und Kerzenlicht passt.

Vatican – Ultra

Dieses Album hingegen passt zu Proteinshakes und dem Lärm schwerer Eisenplatten. Vaticans letztes Album ist seit einiger Zeit mein getreuer Begleiter für harte Gym-Sessions. Hier gibt’s Metalcore mit fett geschriebenem Core, wie man es nicht mehr allzu oft zu hören bekommt. Auf Ultra geht’s aber alles andere als Stumpfsinnig oder geradlinig zu. Vatican gehen ganz geschickt einen Mittelweg zwischen stumpfen Hatebreed-Breakdowns und perversem Archspire-Gefrickel, ohne dabei zu stumpf oder zu anstrengend zu werden. Ein perfektes Album zum pumpen oder sich durch den Feierabendverkehr zu prügeln.

Cave In – Heavy Pendulum

Cave In sind schon seit 1998 am Start, aber ich Banause habe sie erst letztes Jahr entdeckt. Heavy Pendulum ist eine Art Comeback-Album, nachdem deren Bassist während den Arbeiten am 2019er-Release Final Transmission unglücklicherweise verstarb. Ein harter Schlag für jede Band, aber Cave In haben es glücklicherweise geschafft, diesen zu verarbeiten und brachten mit Heavy Pendulum das beste Doom-Metal-Album des Jahres 2022 heraus. Das ist nicht immer ganz mein Genre, aber selbst als Laie konnte ich sofort raushören, dass diese Band einiges durchgemacht hat und viel Herzblut in diesem Werk steckt. Heavy Pendulum ist durch und durch grandios geschrieben und bis zum bersten mit unnormal guten Riffs und Melodien gefüllt. Pflichtprogramm für jeden Genrefan!

Sumerlands – Dreamkiller

Das beste Heavy Metal Album (ja, das Genre gibt’s noch) kam 2022 von Sumerlands. Das Quintett aus Philadelphia hatte schon 2016 mit seinem selbstbetitelten Debüt viele positive Kritiken ernten können. Danach erstmal sieben Jahre bis zum nächsten Album verstreichen lassen ist zwar gewagt; in diesem Fall hat sich die Wartezeit für potenzielle Fans aber definitiv gewohnt. Dreamkiller ist ein tight geschriebenes Meisterwerk des Genres, das sich stilistisch an den 80ern und 90ern orientiert, aber mit sehr zeitgemäßem Sound daherkommt. Das selbe lässt sich übrigens auch über das neueste Queensryche-Album sagen, aber den Battle um den Platz auf meiner Bestenliste gewinnen Sumerlands durch das etwas tightere Songwriting.

Within Destruction – Lotus

Dieses Album habe ich letztens erst mit Lob überschüttet, deshalb findet es natürlich auch einen Platz in dieser Liste. Within Destruction haben schon immer geilen und unterhaltsamen Deathcore gemacht, aber Lotus zeigt die Band in unerwartet reifer Form. Hier geben sich Blastbeats, Blödelsamples und Ohrwurmpassagen ununterbrochen die Klinke in die Hand, aber ohne jemals inkohärent oder überladen zu wirken. Und wen das nicht überzeugt, kann sich wenigstens am sehr gelungenen Albumcover erfreuen.

Lorna Shore – Pain Remains

Das Deathcore-Genre darf man in diesem Zusammenhang natürlich nicht ansprechen, ohne das neue Album von Lorna Shore zu erwähnen. Pain Remains konnte der Band letztes Jahr jede Menge neuer Fans einbringen. Eine Stunde lang Deathcore auf höchstem Niveau, ohne jeglichen Hänger oder Lückenfüller; das bekommen selbst etablierte Genregrößen nicht immer zuverlässig hin. Zu denen darf man Lorna Shore jetzt jedenfalls ruhigen Gewissens dazuzählen.

Gaerea – Mirage

Die maskierte Black Metal Truppe aus dem sonnigen Portugal hat mich mit dem Album Limbo schon vor zwei Jahren komplett von sich überzeugt und hat diese Messlatte 2022 nicht nur erneut erreichen, sondern sogar wieder etwas höher legen können. Mirage ist ein spannendes und hevorragend geschriebenes Album, das eine nahezu perfekte Balance aus Atmosphäre und straightem Geknüppel aufweist und mich von der ersten Minute an gefesselt hat. Gaerea bedienen weder Puristen noch Avantgardisten, können dafür Normalos wie mich umso mehr überzeugen. Dafür gibt’s zwei Daumen nach oben und diesen wohlverdienten Platz auf der Liste

Final Light – Final Light

Ein paar von euch treuen Lesern haben sich sicher schon gefragt, warum Cult of Luna nicht auf meiner Liste von 2022 zu finden sind. The Long Road North war ein geiles Album, das ich auch nach wie vor noch innig liebe. Aber das Release der Schwedischen Post-Metaller wurde für mich von deren eigenen Sänger in den Schatten gestellt, der zusammen mit Perturbator dieses Prachtstück von einem Album erschaffen hat. Final Light vereint den abgründig bösartigen Cult of Luna-Sound mit dem dystopisch-atmosphärischen Klangwelten des französischen Synthwave-Stars, was im Ergebnis eines der düstersten Alben ist, die ich jemals gehört habe. Final Light ist die akustische Version eines schwarzen Lochs; ein unaufhaltsamer Sog, der den Hörer in seinen lichtlosen Bann zieht und jedes Zeitgefühl verschwinden lässt. Final Light ist keine uneingeschränkte Empfehlung für jede Lebenslage, aber für mich definitiv ein Meisterwerk.

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