Credic – Vermillion Oceans

2018 habe ich die Fünfertruppe aus Stuttgart einigen von euch schon ans Herz gelegt. Damals hätte man die Band, wenn man es böse mit ihr gemeint hätte, noch als x-ten Dark-Tranquillity-Abklatsch bezeichnen können. Demensprechend hätte sie auch aus den Augen/Ohren verloren, wenn die Jungs nicht zu meinem engsten Freundeskreis zählen würden. Über diesen Umstand schätze ich mich sehr glücklich, denn so konnte ich Zeuge eines beeindruckenden Entwicklungsprozesses werden. Als Konsument bekommt man oft gar nicht mit, wie viel Arbeit hinter der Musik steckt, die man sich nebenher beim Zugfahren oder Arbeiten gönnt. Der Entstehungsprozess von Vermillion Oceans hat mir das jedoch sehr eindrücklich vor Augen geführt. Credic sind keine Band, die von irgendjemandem entdeckt oder gecastet wurde oder der massiv von einem großen Label unter die Arme gegriffen wurde. So gut wie alles, was mit der Band zu tun hat, seien es T-Shirt-Motive, Promo-Material, Fonts, Logos, Samples und sogar eines ihrer Musikvideos wurden von Mitgliedern der Band selbst gestaltet. Und diese Hingabe macht sich auch musikalisch bemerkbar: Credic klingen schon lange nicht mehr nach einem Abklatsch, sondern sind in vielerlei Hinsicht deutlich gereift. Das Songmaterial ist abwechslungsreich, raffiniert geschrieben und trägt eine unverkennbare Handschrift. Da könnte sich so manche Major-Label-Band eine dicke Scheibe von abschneiden. Wer was für (Melodic) Death Metal übrig hat, muss hier reinhören.

Northlane – Obsidian

Northlane sind seit einigen Jahren meine absolute Lieblingsband. Das Metalcore-Urgestein aus Sydney (darf man da eigentlich Emu-Core zu sagen?) wusste nicht nur schon immer, wie man gute und fesselnde Songs schreibt; jedes Album der Band klingt ein bisschen anders als das vorhergegangene und so weiß man oft nie, was einen beim näcshten Release erwarten wird. Schaut man sich Northlanes Diskografie an, sieht man jedoch einen Trend, der sich vom traditionell-kernigen Metalcore in Richtung elektronischer Beats bewegt. Das 2019er-Album Alien klang schon so ein bisschen wie der Wipeout-Soundtrack (wo sind meine old-school-Gamerbuddies), Obsidian geht dabei aber noch einen Schritt weiter und löst die Genregrenzen einfach komplett auf. Erfreulicherweise geht dabei nichts an Authentizität oder Härte verloren und so wirkt Obsidian eher wie ein weiterer mutiger Evolutionsschritt statt einer chartgefälligen Aufweichung seiner musikalischen Wurzeln. Puristen dürften das Album zwar hassen, aber ich finds supi.

Malevolence – Malicious Intent

Ich bin ja immer voller Lob für Bands, die sich weiterentwickeln, Grenzen austesten und mit anspruchsvollem Songmaterial brillieren können. Manchmal möchte man aber auch einfach die Kopfhörer aufsetzen und nen dicken musikalischen Shawn-Michaels-Superkick in die Fresse kassieren, um sich für eine epische Deadlift-Session aufzuheizen. An dieser Stelle steigen Malevolence mit ihrer neusten Death-/Hardcore-Gewalttat Malicious Intent in den Ring. Ein absolut gelungenes Album, das die beinahe perfekte Balance zwischen Groove und Brutalität hält und sich zu jeder Sekunde anfühlt, als würde man sich mit einem hundert Kilo schweren, steroidgetränkten und unsäglich schwitzenden Fleischbrocken mit Klappstühlen prügeln geiiiiillllll

Ibaraki – Rashomon

Schon mit den ersten Single-Auskopplungen war klar, dass Matt Heafys Soloprojekt Ibaraki nicht viel mit seiner Hauptband zu tun haben würde. Rashomon ist seine Spielwiese, auf der er sämtliche Grenzen sprengt, an die er mit Trivium sonst gebunden wäre. Auf dem einstündigen Album erwarten den Hörer zehn progressiv ausgerichtete Songs, die mal in Richtung Black Metal vorstoßen, mal aus der Feder von Dream Theater stammen könnten; Überlänge inklusive. Verspielt eingestreute Orchestral- und Midisamples runden das ganze ab und machen Rashomon zu einem sehr abwechslungsreich klingenden Album. Die Krux dabei ist aber: Beim ersten Durchlauf klingt das Material sehr sperrig und unzugänglich. Ibarakis Erstlingswerk erfordert also etwas Zeit und Aufmerksamkeit vom Hörer, entlohnt dies aber mit einem spannenden, vielschichtigen Hörerlebnis.

The Amsterdam Red Light District – Trapped

Passend zum Sommerbeginn bringt uns dieses Franzosenquartett aus Lyon 36 Minuten stimmiger Festival-Hüpf-Musik ins Haus! TARLD sind schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste an Bands, die ich gerne live sehen möchte und Trapped verstärkt diesen Wunsch nur noch mehr. Stilistisch liegen die Jungs irgendwo zwischen Silverstein und John Coffey (R.I.P); also perfekt um sich entweder im Moshpit zu verausgaben oder kiffend auf der Wiese mit den Füßen zu wippen. Arg viel mehr brauche ich dazu jetzt gar nicht erzählen; denn wie es der Bandname schon impliziert, geht es hier nicht um tiefgründigen Kunstgenuss, sondern um Spaß und gute Laune. Also gönnt eurer Sommer-Playlist etwas Rotlicht!

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