Diesen Monat gibt es wieder ein klassisches Playlist Update für euch. Filme habe ich nicht wirklich geschaut in den letzten zwei Monaten, aber dafür umso mehr Musik gehört. Also gönnt euch meine aktuellen Empfehlungen, während ich meinen weiteren hundert Baustellen weiterarbeite, die ich unnötigerweise in meiner Freizeit aufgemacht habe.

Bad Omens – The Death of Peace of Mind

Bad Omens aus Richmond, Virginia konnte man immer ein bisschen als BMTH-Abklatsch abheften und musste dabei eventuell nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Das selbst betitelte Debütalbum hatte so seine Höhen und Tiefen, aber ich mochte es ganz gerne. Der Nachfolger Finding God Before God Finds Me zeigte in Sachen Songwriting ein paar Verbesserungen, war aber trotzdem eine recht durchwachsene Geschichte, die ich selten an einem Stück durchhören wollte. Das musikalische Können der Band stand dabei aber nie infrage. Leadgitarrist Joakim Karlsson weiß, wie man ein gutes Riff schreibt und die Rhythmussektion Ruffilo/Folio hat ein hervorragendes Gespür für Groove und Tempowechsel. Sänger Noah Sebastian lässt sich sogar als Ausnahmetalent bezeichnen, das sein „Vorbild“ Oliver Sykes meiner Meinung nach komplett in die Tasche steckt. Aber wie schon gesagt, war das Material bisher eher durchwachsen. Bis Bad Omens im November 2021 ihre erste Single (sowie den Albumtitel) The Death of Peace of Mind veröffentlicht haben. War das… Ausgereiftes Songwriting? Ich war ehrlich gesagt schockiert und gleichzeitig sehr verzückt; da hatte sich jemand in den vergangenen zwei Jahren richtig weiter entwickelt. Mit weiteren Singleveröffentlichungen, die stilistisch auch sehr verschieden waren, wurde dieser Eindruck nur weiter untermauert. Die Albumveröffentlichung Ende Februar konnte ich entsprechend kaum erwarten und wurde auch nicht enttäuscht. The Death of Piece of Mind ist für mich bisher das beste Album des Jahres; ein abwechslungsreiches und ausgefeiltes Werkstück voller Herzblut und Hingabe. Bad Omens demonstrieren mit dieser Platte ein beeindruckendes Maß an Inspiration und Weiterentwicklung, das ich nur bewundern kann.

Sylvaine – Nova

Sylvaine ist mit neulich zum allerersten Mal ins Ohr gekommen, aber hat gleich einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Musikalisch würde ich das Songmaterial auf Nova als gelungenen Mix aus Myrkur und Alcest beschreiben. Sanfte Folk-Klänge mischen sich mit atmosphärischem (Post-)Black Metal ab und formen ein sehr kongruentes und gut fließendes Album, das ich gerne beim konzentriert arbeiten und/oder Wein trinken höre. Die Kürze dieses Absatzes hat definitiv nichts über die Güte des Albums auszusagen; absolute Hörempfehlung!

Allagaeon – Damnum

Das 2019er-Album Apoptosis war ganz in Ordnung, hatte mich damals aber nicht so wirklich gepackt. Deshalb hatte ich Allagaeon schon wieder vergessen, aber der Spotify Algorithmus ist der Truppe aus Colorado zur Hilfe geeilt und hat sie wieder auf meinen Schirm gespült. Zum Glück, denn Allagaeon spielen an sich einen sehr überzeugenden Mix aus technischem und melodischem Death Metal, der sich zu sehr vielen Gelegenheiten gut hören lässt. Damnum ist wie auch seine Vorgänger ein sehr kompetentes Album, das einen durchaus packen kann, wenn man dazu in Stimmung ist. Diesmal war ich das, weshalb ich es guten Gewissens in diese Liste setzen kann 🙂

Agathodaimon – The Seven

Startet den Sommer gleich angemessen mit Black Metal. Agathodaimon hatte ich zwischenzeitlich ganz vergessen, obwohl ihr 2001er-Album Chapter III bei mir damals auf und ab lief. Das war auch so die Phase, in der ich Dimmu Borgir ganz gut fand, was diese fünf Krachmacher aus Mainz wahrscheinlich nicht gerne hören. Seitdem hat die Band drei weitere Alben veröffentlicht, die ich nie gehört habe. Aufgelöst haben sie sich dann zwischendurch auch mal, aber sind jetzt wieder zusammen und bei Napalm Records unter Vertrag. In solchen Momenten merke ich mal wieder, wie ätzend es ist, kurze Texte über Bands zu schreiben. Einfach so spannend wie eine durchschnittliche GZSZ-Folge. Kommen wir also zu des schwarzen Pudels Kern: Wie ist die Musik? Gut. The Seven ist handelsübliche und ziemlich durchschnittliche Melodic-Black-Metal-Ware, die jetzt keine starken Alleinstellungsmerkmale aufweist oder besonders innovativ klingt. Das Songwriting ist aber dennoch auf ordentlichem Niveau und das Album fließt angenehm ins Ohr. Kann auch nicht jede Band von sich behaupten. Ich gebe diesem Album mal meine Empfehlung, wenn man Bock auf keyboardlastigen Black Metal hat. Denn man kann und sollte auch nicht jedes Mal Dimmu Borgir hören, wenn das der Fall ist.

Carpenter Brut – Leather Terror

Metal und Synthwave sind wie Kaffee und Kuchen oder billiges Kokain und Perkins Park. Zwei Dinge, die einfach perfekt zueinander passen. Carpenter Brut weicht die Grenzen zwischen den Genres geschickt auf, indem er viel mit der Metal-Symbolik und -Klischees arbeitet, großzügig auf E-Gitarren-Samples zurückgreift und sich gerne an Horror-Soundtracks orientiert. Auf seinem neusten Album Leather Terror gibt’s dazu noch ein paar sehr interessante Features, zum Beispiel Greg Puciato, Sylvaine und Ulver(!). Klingt wild und das ist es auch! Leather Terror ist ein sehr abwechslungsreiches, aber gut durchhörbares Album mit immensem Spaßfaktor. Carpenter Brut (mit bürgerlichem Namen Franck Hueso) demonstriert hier auch seinen kontinuierlichen Fortschritt in Sachen Songwriting, musikalischem Gespür und Musikproduktion. Besonders letztere hat sich 200 % im Vergleich zum Vorgängeralbum Trilogy verbessert. War dieses noch fast unerträglich komprimiert und laut, hat Leather Terror nun endlich ein angemessenes Maß an Dynamik und Finesse, ohne jedoch dünn zu klingen oder den klassischen Synthwave-Kompressor-Sound zu vermissen. Richtig feines Album.

Mors Principium Est – Liberate The Unborn Inhumanity

Eines meiner liebsten Best-of-Alben aller Zeiten ist First Strike Still Deadly von Testament. Hier hatte sich eine deutlich gereifte Band an ihr altes Material gesetzt und, statt alles einfach unverändert oder „remastered“ auf eine Scheibe zu klatschen, ihre alten Klassiker neu eingespielt und somit zu ganz neuem Leben erweckt. Mit entsprechend großer Freude habe ich also vernommen, dass Mors Principium Est mit ihrer neusten Veröffentlichung dasselbe Konzept verfolgen. Nach gut zwanzig Jahren Bandkarriere und sieben Alben kann man sowas auch guten Gewissens mal machen. Für das Quintett aus dem finnischen Pori ist das wahrscheinlich sogar ein sehr wichtiger Schritt, denn obwohl die Band in technischer und songwriterischer Hinsicht gut gereift ist, hat ihr zuletzt das Quäntchen Inspiration und Drive gefehlt, das die ersten drei Alben so großartig gemacht hat. Dieser Ausflug in die Bandvergangenheit ist meiner Meinung nach also ein sinnvoller und mutiger Schritt. Mutig vor allem, weil man altes Material natürlich nicht einfach neu einspielen und dann selbstverständlich davon ausgehen kann, dass es irgendwie neu oder sogar frisch klingen wird. Mors Principium Est haben diese Herausforderung jedoch mit Bravour gemeistert. Nicht nur, weil es jetzt statt Drumcomputern richtiges Schlagzeug zu hören gibt oder Mixing & Mastering nun zeitgemäß klingen. Auch die Songs selber wurden ordentlich aufgemotzt und, dem verbesserten Können der Band entsprechend, mit frischen Gitarrenleads und komplexeren Arrangements versehen. Liberate The Unborn Inhumanity ist die perfekte Verschmelzung von früher und heute; aus jugendlicher Inspiration und erwachsenem Feingefühl. Ich bin sehr begeistert.

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