Guten Morgen verehrte Leser*xyzfuckyou und willkommen zu meinem letzten Playlist Update vor der Sommerpause. Diesmal erwartet euch eine kleine Auswahl an aktuellen Musiktipps, eine ganz besondere, aber nicht wirklich neue, Gamingempfehlung und eine ziemlich fette Sparte an Filmen, die auch alle mindestens ein paar Monate auf dem Buckel haben. Erst in den letzten paar Wochen hatte ich Zeit und Muße, um mein Filmwissen wieder auf einen einigermaßen aktuellen Stand zu bringen und vielleicht hilft dieser Beitrag ein paar von euch dabei, das Gleiche zu tun.

Musik

VOLA – Witness

Progressive Rockmusik hat in den letzten zwanzig Jahren nicht wirklich eine Blütezeit erlebt. Man hatte im Grunde genommen bloß die Wahl zwischen ein paar Opa-Bands, die eigentlich kein Schwein mehr hören möchte und ein paar abgehobenen Jungspunden, die zwar musikalisch talentiert waren, aber erst noch lernen mussten, gute Songs zu schreiben. Mittlerweile haben Haken, Leprous und Soen ihren jeweiligen Sound gefunden und sind in der Lage, grandiose Songs mit Finesse zu schreiben. Mit Witness nehme ich nun endlich auch die dänische Band VOLA mit in diese Aufzählung. Inmazes und Applause Of A Distant Crowd waren zwar brauchbare Alben, aber wirkten an vielen Stellen noch unausgegoren. Witness ist nun endlich ein durch und durch ausgereiftes Album ohne wirkliche Schwächen. Die Zusammenstellung von neun Songs ist abwechslungsreich, dynamisch, technisch brillant und songschreiberisch mit das beste, was im Jahr 2021 erschienen ist.

Atreyu – Baptize

Als Musikredakteur darf man Bands wie Atreyu nicht gut finden. Einfache Musik, die leicht ins Ohr geht, ist für das durchschnittlich-elitäre Metalmagazin mittlerweile ein No-Go; stattdessen werden hochgradig eintönige Black-Metal-Projekte mit Albencovern die wie H&M-Katalog aussehen, mit Hype und Lob überschüttet. Zum Glück ist das hier kein Metalmagazin und ich erst recht kein Redakteur. Zurück zum Thema: Baptize ist ein simples und eingängiges Album, das mitgesungen werden möchte und zum Poposchwingen animiert. Atreyu erfinden weder sich selbst noch das Rad neu, aber klauen wenigstens nicht und bleiben ihrem Stil treu, ohne sich zu wiederholen oder abzukupfern.

Muse – Origin of Symmetry (XX Anniversary RemiXX)

Das zweite Muse-Album ist auch gleichzeitig eines ihrer besten und die Band scheint sich dessen sehr bewusst zu sein. Zum zwanzigsten Jubiläum bekam dieses Album ein kleines Facelift spendiert und präsentiert sich nun in einem „zeitgemäßen“ Soundgewand. Gesang und Schlagzeug wirken auf der neuen Version nochmal etwas klarer, neue Effekte und Spuren wurden hinzugefügt… und dann wurde alles nochmal durch den Kompressor gejagt, um den neuen Sound noch matschiger, undynamischer und klaustrophobischer zu machen. Ein klassischer Fall von Verschlimmbesserung und ein Paradebeispiel dafür warum ich dem ganzen Remaster-Zirkus grundsätzlich sehr kritisch gegenüberstehe. Trotzdem ein geiles Album.

The Devil Wears Prada – ZII

Wer das damals von mir empfohlene The Act mochte, wird die neue EP der ehemaligen Christian-Metalcore-Truppe definitiv auch feiern. TDWP gehen auch auf ZII wieder den feinen Drahtseilakt zwischen sperrig-düsteren sounds und eingängig-spaßigen Metalcore Grooves. Ich weiß, der Name der Band schreckt einige von euch definitiv ab, aber hier erwartet euch wirklich kein flacher 08/15-Metalcore. ZII sind sehr gut verbrachte zwanzig Minuten für jeden Fan musikalischer Hartkost, also gönnt euch.

Light The Torch – You Will Be The Death Of Me

Auch Light The Torch haben auf diesem Blog mehrfach Erwähnung gefunden. Das Produkt aus Howard Jones‘ Weggang von Killswitch Engage ist auch auf dem vierten Release seit Gründung (und dem zweiten seit Umbenennung) nach wie vor sehr gut anhörbar. Der Herr Jones recycelt zwar seine Gesagsmelodien ein bisschen zu oft und auffällig, aber trotzdem sind You Will Be The Death Of Me zwölf sehr feine Songs, die man sich jederzeit gut anhören kann. Eine todsichere Universalempfehlung für jeden Metalhörer!

Defocus – In the Eye of Death We Are All the Same

Wer mal Bock auf Gutes aus der Region hat, sollte mal seine Lauscher auf Defocus richten. Die vier Jungs aus Aalen machen moderne Metalmusik, die sich stark bei Northlane und Polaris bedient, aber auf cleanen Gesang verzichtet. Klingt jetzt nicht spektakulär, aber tatsächlich bin ich von der Qualität dieses Debütalbums äußerst beeindruckt. Soundtechnisch kann In the Eye of Death We Are All the Same locker mit aktuellen Veröffentlichungen der großen Bands mithalten und das Liedmaterial an sich ballert ordentlich. Zweimal hintereinander würde ich mir das Album nicht anhören, da die Band noch ein bisschen mit Eintönigkeit zu kämpfen hat, anderseits haben andere Bands das Problem seit 40 Jahren und werden trotzdem abgefeiert. Defocus haben auf jeden Fall richtig Potenzial und das beste Debüt abgeliefert, dass ich seit langer Zeit gehört habe. Bravo!

Born Of Osiris – Angel or Alien

Poppig klingende Metalcore-Bands gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer, doch Born of Osiris haben mich mit ihrem neuen Album überrascht. Angel or Alien ist nicht nur gerammelt voll mit eingängigen Melodien, sondern brilliert auch mit durchaus gutem Songwriting. Die 14 Tracks bieten ein schönes Maß an Abwechslung, fetten Gitarrenriffs und mitreißendem Groove. Manchmal klingt mir das ganze dann zwar doch etwas abgedroschen (der Markt ist halt übersättigt), aber dennoch ist Angel or Alien ein kompetentes Album für Autofahrten und Trainingseinheiten gleichermaßen. Reinhören lohnt sich auf jeden.

Night Crowned – Hädanfärd

Eine ganz bestimmte Person aus meinem Freundeskreis killt mich, wenn ich das Album nicht erwähne, also habe ich es in letzter Sekunde noch reingepackt. Night Crowned sind eine schwedische Gruppe, die besonders durch ihre gut geschriebenen Songs und dem gekonnten Genremix aus Riff-Fokusiertem Death-Metal und atmosphärischen Black-Metal bei mir im Freundeskreis Beliebtheit erlangen hat. Das Vorgängeralbum Impius Viam war bereits ein brillantes Stück Musik, hatte aber mit eklatanten Schwächen im Mixing zu kämpfen und hatte deshalb keinen Platz in meiner Bestenliste verdient. Hädanfärd macht zum Glück in dieser Hinsicht wieder alles richtig. Musikalisch bleibt alles beim Alten, was aber nicht unbedingt verkehrt ist. Bemerkenswerte melodische Black-Metal Bands gab es seit dem Hiatus von Naglfar ab 2013 nur wenige, weshalb Night Crowned eine willkommene Bereicherung in meiner Playlist sind.

Dream Tröll – Realm of the Tormentor

Dream Tröll sind für mich einer der besten Entdeckungen des letzten Jahres und das, obwohl ich überhaupt keinen Power-Metal mehr mag. Den Sound dieser Briten kann man am besten mit den Titelmelodien der 80er-Jahre-Zeichentrickserien vergleichen, die meine Generation so abgöttisch geliebt hat. Aber Dream Tröll werden nicht nur von Nostalgie getragen, sondern auch durch einfallsreiche und teils selbstironisch-klischeehafte Songs, die allesamt Partystimmung und Freude verbreiten. Der Weggang des Sängers Paul Walsh machte ich etwas skeptisch, was den zukünftigen Sound der Band anging, aber Nachfolger Ash Elliott macht seinen Job gut und passt soweit perfekt ins Bandgefüge. Realm of the Tormentor ist leider nur EP-Länge, aber ein wichtiges Lebenszeichen und ein Beweis, dass diese Band immer noch absolut Ärsche tritt. Schon seit dem letzten Album habe ich den innigen Wunsch, diese Truppe mal auf einem Festival zu sehen. Das Potenzial zum Headliner haben sie auf jeden Fall.

Gaming

Hunt: Showdown

Die Sümpfe Louisianas sind Ende des 19. Jahrhunderts zombie- und monsterverseucht. Ausgerüstet mit einem spärlichen Waffenarsenal sammelt ihr Hinweise auf den Aufenthaltsort einer besonders großen und gefährlichen Kreatur, die ihr nach dem Erlegen zurück in die Hölle verbannt, eine Belohnung aufsammelt und damit möglichst schnell wieder aus der Gefahrenzone verschwindet. Doch außer euch und jede Menge tödlicher Monster sind auch noch bis zu zwölf weitere Jäger auf der Karte, die euch um Kopf, Kragen und die Belohnung bringen wollen. Unterwegs seid ihr entweder alleine, in Zweier- oder auch Dreierteams. Hunt: Showdown ist aber kein Apex Legends oder Call of Duty, bei dem ihr durch die Gegend hüpft und slidet und dabei aus allen Rohren Dauerfeuer gebt. Dem Setting entsprechend seid ihr mit Single-Action-Revolvern, Repetiergewehren und Kipplaufbüchsen unterwegs. Munition ist spärlich, Auto-Reload gibt es nicht und jeder Schuss potenziell tödlich. Und obwohl das ganze eher eine Entschleunigung der Feuergefechte ist, schüttet kein anderer Shooter so viel Adrenalin aus wie Hunt. Denn solltet ihr einen Schuss verfehlen, seid ihr je nach Waffe mehrere Augenblicke lang schutzlos den Gegnern ausgeliefert, dafür sorgt unter anderem auch die brillante Soundengine, die absolut jedes Geräusch auf den Millimeter genau ortbar macht (gute Kopfhörer vorausgesetzt). Gebt ihr einen Schuss ab, lockt das nicht nur jede Menge Zombies an; die gesamte Map weiß sofort wo ihr seid und welche Waffe ihr tragt. Geschicktes Ausnutzen von Deckung, Abschätzen von Gegnerbewegungen, möglichst geräuscharmes Vorgehen und der geschickte Einsatz von Fallen/Sprengkörpern/Tools sind die Schlüssel zum Sieg. Ganz egal, was für tolle Keyboard-/Controllerhelden ihr seid; ich schwöre hier und jetzt, dass kein Spiel euch so krasse Adrenalinschübe und Emotionen gibt. Hunt: Showdown hält seine Spieler in einem ewigen Limbus aus Euphorie und Frustration gefangen gemäß dem Motto „Hunt giveth, Hunt taketh away“. Die Hunt-Community ist übrigens größtenteils etwas reifer und sehr freundlich. Hier gibt’s also keine 13-jährigen, die euch über den Haufen schießen und dann eure Mütter beleidigen. Entwickler und Community sind sehr aktiv und stehen in regem Kontakt miteinander, es werden also auch ständig neue Features ergänzt. Wenn euch das jetzt neugierig gemacht hat, schaut euch doch zum Einstieg am besten ein paar Guides auf YouTube an. Wir sehen uns im Bayou.

Filme

Mortal Kombat

Die Neuauflage von Mortal Kombat beginnt so vielversprechend, dass WB die vollständigen ersten 7 Minuten sogar als Teaser veröffentlicht hatte. Der Film beginnt mit dem dramatisch inszenierten Angriff des Lin Kuei Clans unter Leitung von Bi Han (später Sub Zero) auf das Familienanwesen von Hanzo Hasashi (später Scorpion, fantastisch gespielt von Martial Arts Legende Hiroyuki Sanada), bei dem Hanzos Familie getötet wird. Dieser nimmt es Augenblicke später mit dem gesamten Angriffstrupp auf, bevor er sich auf einer Waldlichtung dem Duell mit Bi Han stellt. Der Ton des Films ist in den ersten 10 Minuten düster und dramatisch; man könnte so weit gehen und sagen, er habe sich viel von diversen Kurosawa Filmen abgeschaut. Leider geht es mit Mortal Kombat nach dieser Sequenz allerdings steil bergab. Handlung und Charaktere des Films sind flacher als das Papier, auf dem sie geschrieben sind und das, obwohl die Spielvorlage in den vergangenen Jahren so viel an Geschichten und Hintergründen geliefert hat, dass sich daraus einiges machen ließe. Die Drehbuchautoren(!) hielten es aber leider für eine gute Idee, eine Videospielverfilmung für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen, indem sie das verfügbare Material komplett ignorieren, die Spezialfähigkeiten der Kämpfer durch mystischen Scheiß erklären und vor allem mit Cole Young einen furchtbar langweiligen Hauptprotagonisten erfinden. Wer zum Fick hielt das für eine gute Idee? Wer die Kampagne von Mortal Kombat 11 gespielt hat, die in Sachen Script, Bombast und Soundtrack(!) einiges aufgefahren hat, kann über den kompletten Rückschritt, den dieser Film darstellt, nur den Kopf schütteln. Nur die passabel inszenierten Kampfszenen inklusive blutigen Finishern bieten einigermaßen Unterhaltungswert. Ich würde aber niemandem empfehlen, auch nur einen Cent für diesen Streifen auszugeben. Spielt lieber die Solo-Kampagne von MK 11.

Tenet

Christopher Nolan ist einer der ganz wenigen erfolgreichen Hollywood-Regisseure, die sich regelmäßig was Neues trauen und den modernen Kinofilm regelmäßig revolutionieren. Gleichzeitig ist er auch ein Paradebeispiel für Inkonsistenz; Meisterwerke des modernen Kinos und Griffe tief ins Klo wechseln sich bei ihm gerne mal ab. Und obwohl Tenet jetzt nicht unbedingt auf dem Kanalisationsniveau eines The Dark Knight Rises spielt, ist es dennoch keiner der besseren Nolan-Streifen. Bevor ich damit fortfahre diesen Film zu diesen, muss ich eine generelle Tatsache festnageln: Christopher Nolan Filme sind technisch und handwerklich immer auf Spitzenniveau; darüber lässt sich nicht streiten. Warum fand ich Tenet also scheiße? Ich habe ein Faible für das klassische Agententhriller-Genre. Seit meiner frühen Jugend verschlinge ich Zeug wie James Bond, Mission: Impossible und Tom Clancy Verfilmungen. Das Plotmuster „Typ soll einen Terroristen stoppen und macht sich an seine (Ex-)Frau heran, um ihn in die Finger zu bekommen“ ist das käsigste und am härtesten ausgelutschte. Nolan stülpt noch ein, zugegeben raffiniert konstruiertes, Zeitreisenspektakel drüber; so hat der Bösewicht eben statt einer Atombombe oder einem „Laser“ auf dem Mond nun eben einen temporären Algorithmus, der die Welt zerstören soll. Auch Verfolgungsjagden und Kämpfe werden durch sich durchteilweise rückwärts bewegende Autos, Gegenstände und Protagonisten gut aufgepeppt. Das reicht in meinen Augen jedoch nicht, um über die fast schon bizarr simple Kerngeschichte hinwegzutäuschen. Wie schon gesagt, lässt sich Nolan bei der Garnitur einiges einfallen und kann bei der Inszenierung von zwei gegensätzlich verlaufenden Zeitsträngen in ein und derselben Szene auch gut von seiner Erfahrung mit dem rückwärts erzählten Memento zehren. In Verbindung mit den hervorragend gecasteten Schauspielern ergibt sich hier auch ein gewisser Wiedersehwert. Ob ich mir den Film allerdings nochmal anschauen möchte, weiß ich noch nicht. Bei The Dark Knight Rises bereue ich es jedes Mal, da ich dadurch nur noch mehr bekloppte Logiklücken und dämlich geschriebene Dialogzeilen entdecke. Bei Tenet wird mir auf jeden Fall dasselbe passieren. Anderseits kann ich mich an Elizabeth Debicki nicht sattsehen und das genretypische Rezept aus tollem Soundtrack, abwechslungsreichen Schauplätzen und gelungen inszenierten Actionsequenzen lädt auch so manch anderen sicherlich doch zu einem zweiten oder dritten Durchlauf ein. Tenet sollte man also irgendwie schon gesehen haben, aber vorsichtshalber seine Erwartungshaltung etwas dämpfen.

Was für eine Frau!

Joker

Joker ist ein Film, über den man viel schreiben kann, wenn man das möchte. Das haben viele schon getan, deshalb fasse mich etwas kürzer. Joker ist ein moderner Kultfilm, den man gesehen haben muss. Er hatte zunächst viel Kontroverse ausgelöst, denn seine bissige Gesellschafts- und Medienkritik hat vor allem – Überraschung – Journalisten und hauptberuflichen Filmkritikern überhaupt nicht geschmeckt. Ottonormalkinogänger fanden den Film dagegen ziemlich gut und zu diesen Stimmen zähle ich auch mich selbst. Autor und Regisseur Todd Philips (Hangover, Borat) hat aus der Comicvorlage keine bunte und leichtverdauliche Actionfilmkost geschaffen, sondern ein düsteres und unbequem realistisches Psychodrama, das nicht nur mit einem tollen Joaquín Phoenix in der Hauptrolle zu überzeugen weiß. Kamera, Schnitt, Kolorierung und der fabelhafte Soundtrack von Hildur Guðnadóttir (Chernobyl) machen den Film zu einem besonderen audiovisuellen Erlebnis. Natürlich gibt es auch ein paar Kritikpunkte, zum Beispiel den simplen Plot, die starke Abweichung von den Comicvorlagen oder dass der Film moderne Probleme in ein 80er-Jahre-Setting steckt, das auch nicht sehr wirklichkeitsgetreu dargestellt wird. Nichts davon hat mich aber wirklich gestört, denn dafür sind Comics und deren Superhelden/Superschurken ja auch irgendwie da: Aktuelle Probleme aus einem anderen, meist fantastischen Blickwinkel zu betrachten und abzuhandeln. So musste der Original-Joker in den 80ern also noch in ein Becken mit giftigen Chemikalien fallen, um zum Superschurken zu mutieren. Im Jahr 2019 reicht es hingegen schon, ihn in die Gesellschaft zu werfen. Und so wird aus einem Schurken auch schnell ein Held und Sympathieträger des Publikums, was durchaus auch etwas zum Nachdenken anregt.

1917

Sam Mendes versuchte sich hier an einem „Saving Private Ryan“-Äquivalent im Ersten Weltkrieg und scheiße, ist ihm das gelungen! Konflikte dieser Größenordnung bieten reichlich Stoff für Bücher, Filme und jede andere Kunstform; niemals aber kann man die ganze Geschichte erzählen und gleichzeitig allen Seiten und Aspekten des Konflikts gerecht werden. Das Erfolgsrezept für diese Art von Setting ist das Erzählen kleiner persönliche Erlebnisse und Anekdoten, die den Zuschauer/Leser/Hörer an die wichtigen Hauptschauplätze führt und Schlüsselmomente der Menschheitsgeschichte quasi nebenbei erleben lassen. 1917 erzählt die Geschichte zweier Soldaten, die eine dringende Warnung zu einem Bataillon bringen sollen, dass gerade kurz davor steht, in eine Falle der Deutschen Streitkräfte zu laufen. Dabei müssen die beiden bei Tageslicht das berüchtigte Niemandsland durchqueren, was einem Selbstmordkommando ziemlich nahekommt. Wie ihr schon merkt, ist die Geschichte äußerst simpel, wird durch das Single-Take-Konzept allerdings auf eine besonders immersive und besondere Art erzählt. Single Take heißt, dass es keine Schnitte zu sehen gibt, sondern die Kamera den Protagonisten auf Schritt und Tritt folgt. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß natürlich, dass es sehr wohl ein paar Cuts gibt, aber diese werden sehr gut kaschiert. 1917 ist also ein Film aus einem Guss, dessen Erzähltempo durch die Handlung bestimmt wird und der dem Zuschauer ständig ein effektives Mittendrin-Gefühl gibt. Selten habe ich bei einem Film so mitgeflucht und -gefiebert! Der Film wird jedoch nicht nur durch seine tolle Kameraarbeit getragen; die Schauspieler und Komparsen liefern allesamt fantastisch gute Arbeit ab und auch Soundtrack- und Effekte sind wirklich toll gelungen. 1917 ist ein tolles Filmerlebnis, das sich keiner entgehen lassen sollte!

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