Der ereignislose und stinklangweilige Jahresbeginn 2021 hat sich auch hier auf meinem Blog bemerkbar gemacht, doch verzagt nicht: Es gibt mittlerweile ein paar schöne Sachen aus diesem Jahr, die ich genieße und hiermit weiterempfehle. Doch es gibt nicht nur ein Update aus der Playlist, auch rund um dieses Blog und meinen experimentellen YouTube-Kanal gibt es Bewegung. Deshalb steige ich diesmal mit einer ungewohnten Blog-Update-Kategorie ein und wünsche euch an dieser Stelle viel Vergnügen beim Lesen!

State of the Blog März 2021

Wie schon eben gesagt, fing das Jahr eher mau für mich an. An neuer Musik kam irgendwie kaum was spannendes raus, an Filmen sowieso nicht und auch sonst gab es nicht wirklich etwas, das in mir die Lust zu schreiben geweckt hat. Fitnessthemen sind für mich seit Schließung der Gyms erst mal gestorben. Homeworkouts und joggen gehen ersetzen für mich weder das Training mit Gewichten noch das Sparring auf der Matte. Dementsprechend bin ich gerade furchtbar eingerostet und kann es in diesem Zustand auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, irgendjemandem Tipps zur körperlichen Fitness zu geben.

Dafür verbringe ich jetzt mehr Zeit an der YouTube-Front; sich mit Mitte 30 noch in das Thema Videografie einzuarbeiten (gegen das ich mich bis zuletzt gewehrt hatte, weil kein Bock) ist eine ordentliche Herausforderung und ein Zeitfresser. So langsam bekomme ich den Dreh (haha) in Sachen Videoschnitt und -technik jedoch heraus und kann mich in Zukunft mehr den Konzepten und Ideen sowie meiner nuschelnden Fresse widmen. Ja richtig gelesen, ich bin manchmal ein logopädischer Albtraum und nirgends wird das so deutlich wie vor der Kamera. Im Schreiben war ich schon immer etwas stärker als im Reden (introverts unite), aber das Drehen von Videos ist für mich eine gute Gelegenheit, daran mal etwas zu arbeiten. Was Videokonzepte angeht, sammle ich gerade ein paar Ideen und Inspiration zu den Themen Survival, Outdoor und natürlich Fitness/Gesundheit. An technischer Front sind Licht und Ton gerade große Herausforderungen.

Mein Budget ist limitiert, meine Bude klein und Tageslicht ist nicht mehr vorhanden, wenn ich von der Arbeit komme. FML. Auch andere Dinge wie vermehrter Einsatz von B-Roll-Footage oder ein gescheites Intro stellen gerade kleine Herausforderungen dar und falls jemand von euch jemanden kennt, der mir ein kleines Logo-Intro rendern kann (natürlich gegen Bezahlung), lasst es mich wissen. Mein Fotografieinteresse erlebt auch gerade wieder einen kleinen Boost und ich schreibe gerade Ideen für einen separaten Kanal zusammen, der sich diesem Thema widmet und auch anderen Dingen wie Technik und Audio. Bisher habe ich alles zu dem Thema auf dieses Blog geklatscht, aber es macht langsam Sinn, jeder dieser Nischen eine eigene Präsentation zu widmen, um den Publikumsverkehr zu optimieren und zu vergrößern. Nicht, dass sich besonders viele Leute für meinen Shit interessieren. Aber ich finde es spaßig und spannend, an solchen Sachen zu arbeiten und sehe auch Potenzial, persönlich daran zu wachsen. Das Gefühl, etwas Neues in mein Fertigkeiten-Arsenal aufzunehmen und in etwas besser zu werden ist auf jeden Fall etwas sehr Befriedigendes und Motivierendes.

Und jetzt auf zum Medienkonsum!

Musik

Harakiri for the Sky – Mære

Diese Band höre ich seit dem 2016er-Album III:Trauma wirklich gerne.  Zu den verträumten Klängen dieser „Post-Black-Metal“ Band im Mietwagen über Teneriffa zu cruisen ist eine wunderschöne Erinnerung und ein Erlebnis, das ich so weiterempfehlen kann. Mære ist ein weiteres Opus Magnum dieser österreichischen Wunderknaben, das mit 84 Minuten einfach mal länger ist als zwei herkömmliche Alben der meisten meiner Lieblingsbands. Langweilig werden diese eineinhalb Stunden allerdings nicht, denn Harakiri For The Sky wissen wie man gute Songs schreibt, die sowohl atmosphärisch als auch einfallsreich sind. Ein schönes Feature gibt’s diesmal auch: auf Sing for the Damage We’ve Done bekommt Alcest-Frontmann Neige einen Gastauftritt, was man durchaus als Qualitätssiegel werten kann. Nur den letzten Track (eine Placebo-Coverversion, wtf????) hätten die Schluchtis sich sparen können, aber that’s just me.

Architects – For Those That Wish To Exist

Jooo endlich ne neue Architects-Platte. Ein richtig schlechtes Album könnte diese Band wahrscheinlich nicht mal veröffentlichen, wenn sie es wollte. For Those That Wish To Exist ist solide Architects-Ware mit ein paar tollen Highlights (Black Lungs, Impermanence, Libertine) und ein paar Hängern (Dead Butterflies, Meteor, Flight Without Feathers). Insgesamt traut sich die Band hier etwas mehr an elektronische und orchestrale Klänge heran als sonst, hat hier allerdings noch Verfeinerungspotenzial. Trotz einigen Kritikpunkten, die ich hier jetzt aufführen könnte, aber dank neuer Tastatur und schmerzenden Fingern nicht werde, ist For Those That Wish To Exist ein gutes Album, das man sich auch entspannt nebenher anhören kann.

Cult of Luna – The Raging River

JOOOOO alder endlich wieder ne neue Cult of Luna Pladde! The Raging River ist wieder ein bisschen old-schoolig, kein wirklicher Meilenstein der Band und die Kollab mit Mark Lanegan auf Inside of a Dream hat mich jetzt auch nicht umgehauen. Weil ich aber großer Fan dieser Band bin, habe ich das Album sehr genossen und kann es deshalb auch guten Gewissens empfehlen.

Soen – Imperial

Sören, ääh Verzeihung, Soen bewegen sich auf Imperial erneut einen Schritt weg von ihrem Tool-Sound und bewegen sich etwas näher an die Prog-Rock-Kollegen von Leprous heran. Das passt gut zu den Fähigkeiten der Band und macht Imperial für mich zum stärksten Album, das ich bisher von Soen gehört habe. Fans von erwachsener, raffiniert geschriebener und emotionaler Rockmusik sollten sich Imperial deshalb nicht entgehen lassen. Normalerweise, wenn ich sage, ich würde ein Album meinem Onkel empfehlen, ist das keine uneingeschränkte Empfehlung. In diesem Fall aber schon.

Tribulation – Where the Gloom Becomes Sound

Tribulation machen seit ihrer Abkehr vom klassischen Death Metal anno 2015 eine interessante und groovelastige Genremischung irgendwo zwischen Okkultrock und Black/Death Metal. Und obwohl Genresnobs über sowas sonst abfällig die Nase rümpfen, wurden Tribulation von der „Szene“ stets gut angenommen und gefeiert. Where the Gloom Becomes Sound ist ein Statement-Piece, das den guten Ruf der Band weiter festigt. Das Quartett aus dem schwedischen Arvika klingt so raffiniert, stilsicher und eingängig wie noch nie, also sollten uneingeweihte Genrefans spätestens mit diesem Album mal Blick auf diese Band riskieren.

Serien

Truth Seekers (Amazon)

Selten habe ich mit einer Fernsehserie so viel Spaß gehabt wie mit Truth Seekers. Zusammen mit der von Geistern heimgesuchten Astrid und seinem ängstlichen Neukollegen Elton, geht der Netzwerktechniker Gus (gespielt von Sympathiebombe Nick Frost) in seiner Freizeit und auch mehr oder weniger heimlich während der Arbeitszeit auf Geisterjagd und kommt im Verlauf der Serie einer gefährlichen okkulten Verschwörung auf die Spur. Mit der Story gewinnt Truth Seekers keine Preise, aber hat dafür ein paar andere Stärken, die mich mehr als positiv überrascht haben. Zum einen wäre da die gelungene Mischung aus typisch britischem Humor a la Hot Fuzz und wirksamen(!) Horror-Elementen, die bessere Gruselmomente erzeugen als 99 % des Horrokinos der letzten 10 Jahre. Dann wäre da noch die hochkarätige Besetzung. Nicht hochkarätig im Sinne von teurer und großer Namen, sondern im Sinne von schauspielerischer Leistung und zwischenmenschlicher Chemie. Namen wie Nick Frost, Simon Pegg und Malcolm McDowell kennt man als Filmliebhaber zwar, aber auch die unbekannten Namen spielen ihre Figuren, von denen wirklich jede irgendwie exzentrisch und verschroben ist, überzeugend und mit Einsatz. Dann wäre da noch die sichtbare Kreativität und Freude, die in die Serie geflossen sind. Das gesamte Filmteam bedient sich beim Skript und ein paar Grundideen zwar großzügig bei Stranger Things, aber durchweg im positiven Sinne. Kamera-, Sound- und Requisitenteams haben dafür außer beim Budget offensichtlich freie Hand gehabt und das auch ausgenutzt. Witzige Kamerawinkel, Fisheye-Objektive, GoPros, kreativ zusammengebastelte Geisterjäger-Utensilien… Dieses Maß an (funktionierender) Improvisation und Einfallsreichtum macht auch dem Zuschauer unheimlichen Spaß. Angucken!

Lupin (Netflix)

In dieser französischen Netflix-Produktion geht es um einen Dieb der, inspiriert von den Geschichten über den Meisterdieb Arsène Lupin, einen spektakulären Diamantenraub vollzieht, um den Tod seines Vaters zu rächen. Doch die Familie, mit der er sich anlegt, ist reich, mächtig und scheut keine Mittel, ihren Ruf und ihre Position zu erhalten. Auch diese Story gewinnt keinen Emmy, ist aber spannend inszeniert und gut erzählt. Hauptdarsteller Omar Sy ist allerdings der Hauptgrund, diese Serie anzuschauen. Die Macher der Serie geben sich sichtlich Mühe, ihn wie einen zweiten Idris Elba aussehen zu lassen und diese Aufgabe meistert Omar Sy mit Bravour, allerdings ohne das Vorbild einfach nachzuahmen. Er ist fit, selbstbewusst, gut gestylt und badass, aber trägt dabei immer ein gewinnendes Lächeln im Gesicht, was ihn für den Zuschauer sehr sympathisch macht. Wer was Leichtverdauliches für einen regnerischen Sonntag sucht, dem sei Lupin an Herz gelegt.

Filme

Parasite

Gar nicht so leicht verdaulich ist Parasite vom koreanischen Regisseur Bong Joon-ho. Hier geht es um eine Familie aus armen Verhältnissen, deren jüngster Spross Kim Ki-woo durch einen glücklichen Zufall eine Anstellung als Nachhilfelehrer bei einer äußerst wohlhabenden Familie Park bekommt. Die Familie wittert hier sofort eine Chance und so vermittelt Kim sowohl seine Schwester als auch seine beiden Eltern nach und nach als Angestellte. Dass Familie Kim dadurch wie ein durstiger Parasit an den Parks hängt, ist schon düster genug, jedoch machen die Kims bald eine noch viel düsterere Entdeckung und bald gerät einiges außer Kontrolle. Parasite ist teils Familiendrama, teils Komödie und zum Schluss sogar Psychothriller und erzählt wie schon Bong Joon-hos Kultstreifen Snowpiercer eine aufreibende Geschichte von Klassenunterschieden, Ungerechtigkeit und gesellschaftlichen Abgründen. Viel Action gibt es hier diesmal jedoch nicht. Das Erzähltempo in Parasite ist zu Beginn gemächlich und der Film lebt hauptsächlich von den Schauspielern und der Spannung, die sich ganz langsam zwischen den Figuren aufbaut. Zum Schluss gewinnt er extrem an Intensität und bietet einige Momente, bei denen man nicht so recht weiß, ob man hin- oder wegschauen möchte. Diese rapiden Wechsel in Erzähltempo und inhaltlicher sowie visueller Intensität sind eines der Markenzeichen koreanischen Kinos, die ich sehr schätze, die aber nicht für jeden sind. Wer Oldboy (das Original von 2003) und Snowpiercer mochte, kann sich Parasite schon anschauen, darf aber wie gesagt keinen Actionfilm erwarten. Dennoch ein ganz schön harter Brocken und gleichzeitig brillantes Stück Filmgeschichte. Für Cineasten ein Muss.

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