Jedes andere Schmierblatt würde an dieser Stelle irgendwelche Worte und Anekdoten über das Vorjahr verlieren, aber wir alle wissen, wie unnötig das ist. Ihr seid auf mein Blog gekommen, weil ihr den guten Shit wollt und den sollt ihr bekommen. 2020 hat dem Connaisseur guter Gitarrenmusik ein paar hervorragende Nackenbrecher beschert und meine Lieblinge liste ich hier wie jedes Jahr für euch auf. Dabei wurden nur die Alben berücksichtigt, die ich tatsächlich am liebsten gehört habe, denn wir sind hier nicht beim Metal Hammer und ich muss keinen Major-Labels in den Arsch kriechen. Auch muss ich niemandem beweisen, wie trve ich bin und verdächtig viele Alben mit unleserlichen Bandnamen und Fisherprice-Kassettenrecorder-Sound abfeiern. Ebenfalls wie jedes Jahr hat diese Liste keinerlei Reihenfolge, denn nach wie vor stelle ich niemals Menschen, Weltanschauungen, Bizepsübungen oder Kunstwerke über andere. Viel Spaß beim Lesen.

Justice for the Damned – Pain Is Power

Los geht’s mit dem wahrscheinlich größten Brecher des Jahres. Justice For The Damned schwimmen auf der aktuellen NWOAM-Welle (New Wave Of Australian Metal… hab ich soeben erfunden) mit und liefern mit Pain is Power ein puristisches, aber dennoch grooviges und abwechslungsreiches Deathcore Album ab, das aus keiner ordentlichen Gym-Playlist wegzudenken ist. 33 Minuten direkt auf die Fresse, wie zu besten Slayer-Zeiten.

Trivium – What The Dead Men Say

Surprise, motherfuckers, Trivium landet auf meiner jährlichen Bestenliste. What the Dead Men Say ist ein gutes Album auf gewohnt hohem Niveau und mehr brauche ich dazu eigentlich auch nicht zu erzählen.

Bleed From Within – Fracture

Mit dem 2018er-Album Era und spätestens als Vorband von As I Lay Dying haben diese Schotten bei ganz vielen Metalfans einen Stein im Brett gelandet. Klassischer Metalcore, auf technisch ganz hohem Niveau, mit eingängigen Riffs und Refrains und verdammt tightem Songwriting. Spätestens Fracture hat diese Truppe zur absoluten Pflichtband für jeden ernsthaft interessierten Genrefan gemacht. Keine Ausreden mehr! Auf Play drücken!

Currents – The Way It Ends

Eine Metalcore-Band geht noch, bevor sich die Liste vorübergehend anderen Genres zuwendet. Currents sind mir zuerst 2017 (gleichzeitig mit den später erwähnten Polaris) durch das Album The Place I Feel Safest aufgefallen. Irgendwie sperrig, aber gleichzeitig auch eingängig, ging schon… und landete zum Schluss auf der Liste meiner meistgehörten Alben des Jahres. The Way It Ends wird das wahrscheinlich ebenfalls schaffen. Auch hier herrscht ein interessanter Mix aus Sperrigkeit und Schwermut, der gerade genug eingängige Passagen aufweist, um den Hörer bei der Stange zu halten. Kein einfaches Album, aber definitiv ein geniales.

The Ocean – Phanerozoic II: Mesozoic

Knapp über 12 Jahre ist es her, als ich The Ocean im Vorprogramm von Opeth kennenlernen durfte und sofort in mein Herz geschlossen habe. Als 2013 das Über-Album Pelagial auf sämtlichen Bestenlisten landete, hat dann auch der letzte Metal-Einsiedler dieses Berliner Musikerkollektiv kennen und lieben gelernt. Wie es mit hohen Messlatten so ist, wurde der Nachfolger Phanerozoic I: Palaeozoic eine Enttäuschung, wenn auch keine Gurke. Drohte die Band, sich in Eintönigkeit und allzu sperrigem Songwriting zu verlieren? Phanerozoic II: Mesozoic erlöste uns alle von dieser Befürchtung und präsentierte The Ocean wieder mit all ihren Stärken: Komplexität, Anspruch, Intensität und Atmosphäre. Für wen diese Attribute auch nur entfernt reizvoll klingen, ist Phanerozoic II: Mesozoic ein Fest.

Bring Me The Horizon – Post Human: Survival Horror

Ca. 50% der Leser werden diesen Absatz überspringen, denn BMTH liebt man entweder oder kriegt nach zwei Sekunden Spielzeit einen unüberwindbaren Brechreiz. Ich gehöre jedenfalls zu ersterer Gruppierung und empfand Post Human: Survival Horror als ein perfekt passendes Album zum Pandemiejahr 2020. Jede Menge schräger Features und Collabs sowie eine teilweise Rückkehr zu alter Härte machten dieses Mini-Album zu einem Highlight für mich.

Emma Ruth Rundle, Thou – May Our Chambers be full

Etwas ganz besonderes auf die Ohren gab es von dieser ungleichen Gemeinschaftsarbeit. Die Verschmelzung von Thous ruppigem Südstaaten-Sludge und Emma Ruth Rundles zartem Folk/Post-Rock beschert uns eine atmosphärische Soundlandschaft und fesselnde, hypnotische Songs, die entfernt an die Zusammenarbeit zwischen Cult of Luna und Julie Christmas erinnern. May Our Chambers Be Full ist ein ganz tolles Album für die kalten, dunklen Abende und passt hervorragend zu Rotwein und/oder Dübeln. Gönnt euch.

Within Destruction – Yokai

WAS ZUM FICK… meinen die das ernst?!?!? War meine erste Reaktion auf diese irrwitzige Mixtur aus bretthartem Deathcore, Trap und HipHop. Nachdem sich der erste Schock (und Lachkrampf) gelegt hatte, kam jedoch die Erkenntnis: Ja, das ist geil. Und tritt gewaltig Arsch. Within Destruction werfen auf Yokai mit Klischees um sich, brechen diese schon im nächsten Augenblick übers Knie und lassen Genregrenzen beliebig verschwimmen und ineinanderfließen. Meiner Meinung nach das unterhaltsamste Album des Jahres.

Palm Reader – Sleepless

Wie bereits in meinem letzten Playlist Update besprochen, sind Palm Reader für mich mittlerweile mehr als eine gute Mastodon-Alternative. Mit Sleepless haben diese Briten ein Album geschaffen, das mich sowohl intellektuell als auch emotional voll in seinen Bann gezogen hat. Ganz dicker Herzchensmilie an dieser Stelle <3.

Polaris – The Death of Me

Die Erfindung des NWOAM-Begriffes wäre unnötig ohne eine weitere australische Band auf der Liste, deshalb präsentiere ich hier: Polaris. Das Quintett aus Sydney hatte mich schon 2017 mit dem Album The Mortal Coil, das mit toll geschriebenen Songs und einem ganz eigenen Sound brillieren konnte, restlos begeistert. Mit Freuden kann ich nun berichten, dass The Death of Me der dadurch hoch gelegten Messlatte durchaus gerecht wird. Zehn Songs unterschiedlichen Tempos und Härtegrades machen dieses Album zu einem sehr kurzweiligen Hörvergnügen, das ich jedem wärmstens empfehle.

Kvelertak – Splid

So scheiße das Jahr 2020 auch gewesen sein mag, es gab auch ein paar gute Nachrichten, vor allem in musikalischer Hinsicht. Eine davon war sicherlich die glorreiche Rückkehr Kvelertaks zu alter Hochform mit ihrem Hammer-Release Splid. Obwohl das 2016er-Album Nattesferd jetzt kein totaler Griff ins Klo war, ließ es doch die Kvelertak-typischen Hooklines vermissen und klang somit sehr eintönig. Dann verließ auch noch Sänger Erlend Hjelvik die Band, was mich hinsichtlich der Zukunft der Band nicht sehr zuversichtlich stimmte. Bereits nach einer Minute und einundfünfzig Sekunden hat Splid jedoch all meine Zweifel beiseite geräumt. Das Album startet mit einer lange vermissten und unglaublich cremigen Hookline, die alsbald in die Bestätigung dafür übergeht, dass der neue Vocalist Ivar Nikolaisen ein absolut würdiger Ersatz für Hjelvik ist. Das Album behält das Niveau dann auch gute 58 Minuten lang bei und hat sich den Platz auf dieser Liste somit redlich verdient!

Sylosis – Cycle of Suffering

Auch um die Zukunft von Sylosis haben sich sicher einige Fans Sorgen gemacht. 2015 hatte Frontmann Josh Middleton entschieden, vorübergehend zu Architects zu wechseln, um deren verstorbenen Gitarristen Tom Searle zu ersetzen. Großes Aufatmen dann, als im Herbst 2019 der Erscheinungstermin von Cycle of Suffering im Internet aufgetaucht ist. Und was soll ich sagen, das Warten hat sich definitiv gelohnt. Auch fünf Jahre Hiatus haben der Band scheinbar nichts ausgemacht und so präsentierten Sylosis uns bereits im Februar 2020 eines der unzweifelhaft besten Alben des Jahres 2020. Cycle of Suffering ist beinhart, geradlinig, eingängig und trotzdem komplex genug, um jeden Hobbymusiker zum Weinen zu bringen. Fettes Teil!

Killer Be Killed – Reluctant Hero

Wenn man mal über die abtörnende Tatsache, dass Killer Be Killed eine Supergroup (Marketingstunt) hinweg ist, fällt auf, dass diese Truppe jetzt schon das dritte Album in Folge gut geschriebene, abwechslungsreiche und faszinierende Songs produziert. Um das zu honorieren (und weil ich weiß, dass dieses Ding ein paar von euch Vögeln gut gefallen wird), landet Reluctant Hero wohlverdient auf meiner Bestenliste 2020.

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