Den Bowers & Wilkins PX hatte ich damals zum besten Active-Noise-Cancelling Kopfhörer auf dem Markt gekürt. Nun hat die britische Edel-HiFi-Marke das Konzept nochmal neu aufgerollt und den Nachfolger auf den Markt gebracht. Kann der PX7 für seinen stolzen Preis von fast 400 Euro überzeugen? Das erzählt euch mein ausführlicher Testbericht!

Verarbeitung & Design

Wie schon beim Vorgänger beweisen B&W, dass sie das Produktdesign im Griff haben. Die Ohrmuschel und der Kopfbügel sind mit (schmutzabweisend beschichtetem) Stoff ummantelt, das Grundgerüst ist aus Carbon und obwohl bei den Polstern diesmal auf Kunstleder zurückgegriffen wurde, fühlt sich auch das sehr stabil und wertig an. Das Gesamtbild ist dieses Mal leider etwas klobig geraten, aber durch die gelungene Formgebung hält sich der Albernheitsgrad noch in Grenzen. Insgesamt ein sehr gelungenes Teil, aber das ist man von diesem Hersteller ja schon gewohnt. Eine besondere Erwähnung ist dieses mal das Hardcase wert, das dem PX7 beiliegt. Stabil verarbeitet, ansprechend designt und passt sehr gut in den Rucksack. So muss das!

Bedienung, Komfort, Isolation

Das Bedienkonzept des Vorgängers haben B&W weitgehend unangetastet gelassen. Lautstärke und Wiedergabe werden mit insgesamt drei Tasten geregelt, eine separate Taste steuert das ANC. Letzteres benötigt nun auch endlich nicht mehr die App zum umschalten. Mit einem Tastendruck wechselt man zum nächsten Modus, bis man im gewünschten angekommen ist. Was man da gerade angewählt hat, verkündet eine sehr angenehme Frauenstimme, die sich in der App aber auch durch kurze Tonsignale ersetzen lässt. Erwähnte App ist wie immer recht simpel gehalten. Man kann dort seine Kopfhörer umbenennen, deren Pairing-Partner verwalten (sehr nice), zwischen den ANC-Modi wechseln und ein paar Grundeinstellungen ändern. Einen Equalizer gibt es nicht, aber das entspricht der Philosophie des Herstellers. Ganz neu ist ein Feature, das sich „Klanglandschaften“ nennt. Dort kann man zwischen verschiedenen Naturgeräuschen wählen, die der Kopfhörer wiedergeben soll. Wer im Flugzeug/Zug/Bus keinen Bock auf Musik hat, lässt sich also einfach von einem Wasserfall berieseln, während er vom Umgebungslärm abkoppelt und kann dabei einfach lesen oder pennen. Warum nicht!?

Eine weitere Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist der Komfort. Das ursprüngliche PX Modell war einfach unsäglich unbequem und hat vielen Benutzern schon nach einer Stunde Schmerzen bereitet. Brillenträger haben zudem Schwierigkeiten mit der Dichtigkeit der Ohrpolster gehabt, was zu einem katastrophalen Bassverlust geführt hat. Diese Mängel sind zum Glück restlos beseitigt worden. Der PX7 trägt sich genauso bequem wie die Konkurrenz und mit dem Sitz gibt es gar keine Probleme. Dennoch sitzt der Kopfhörer recht fest, sodass kurze Sprints zur Haltestelle oder rhythmisches Kopfnicken kein Problem sind.

Durch die recht stabile Konstruktion hält der PX7 auch ohne ANC Außengeräusche recht gut ab, was ihn zumindest von Sonys Modell absetzt. Durch die etwas leichtere Konstruktion ist die passive Isolation aber natürlich nicht ganz so stark wie beim Vorgänger.

Sound

Der alte B&W PX war klanglich eher ein Ausreißer und dabei bleibt es vorerst auch. Der PX7 klingt wieder mehr nach dem Haus-Sound der Marke: Sehr kräftiges Bassfundament, leicht zurückgenommene Mitten und akzentuierte Details. Wem der Vorgänger zu neutral klang oder wie ich Schwierigkeiten mit den Ohrpolstern und dem mit einhergehenden Bassverlust hatte, kann nun aufatmen. Die Tieftonabteilung des PX7 hat richtig Wumms und braucht sich dieses Mal nicht hinter Sony verstecken. Mengenmäßig gut mit deren WH-1000XM3 vergleichbar aber um ein Vielfaches straffer und detaillierter, greift der PX7 hier schonmal nach der Krone. Mitteltöne gibt das Ding auch ordentlich wieder. Eine kleine Senke irgendwo zwischen 500-1000Hz geht in einen ansprechend hervorgehobenen Präsenzbereich über. Stimmen klingen jederzeit voll und voluminös, Saiteninstrumente haben Körper und Gitarrensoli kommen mitreißend und intensiv rüber. Ganz neutral oder Studiomäßig ist der Mittelton auf keinen Fall, aber für den Musikgenuss unterwegs ist die Abstimmung geradezu perfekt. Etwas mehr Richtung „Geschmacksache“ geht der Hochtonbereich. Um die 5kHz gibt’s wieder ein kleines Loch im Frequenzgang, das zwar S- und T-Lauten ihre Schärfe, Snares, E-Gitarren und Hi-Hats aber dafür den „Biss“ nimmt. Gefühlt spielt der PX7 beim ersten Aufsetzen etwas dumpf und undetailliert, nach ein paar Minuten merkt man allerdings, dass dem nicht so ist. Details zeichnet er mindestens genauso gut wie alle anderen Bluetooth Modelle und kann teilweise sogar mit kabelgebundenen Kopfhörern seiner Preisklasse mithalten. Das 5kHz-Loch ist ein Mittel, dem sich viele namhafte Kopfhörer- und Inear-Monitor-Hersteller bedienen um den Sound entspannt und unangestrengt zu machen. Dementsprechend ist die Abstimmung des PX7 perfekt für stundenlanges entspanntes Musikhören auf langen Reisen oder beim Pendeln. Für analytisches Hören oder Fischen nach Details ist er allerdings überhaupt nicht geeignet. Das heißt nicht, dass ihm die Details fehlen. Durch eine (mal mehr, mal weniger) geschickte Akzentuierung der Höhen um die 10kHz bekommen Becken, Hi-hats, Glockenspiele etc. eine Extraportion „Glitzern“ verpasst, die nicht immer komplett natürlich klingt, aber dem Gesamtklangbild eine gewisse Luftigkeit und Brillianz verleiht. Und wo wir schon bei Luftigkeit sind: Die Räumlichkeit und Bühnendarstellung sind fantastisch. Nicht nur für einen geschlossenen Bluetooth-Kopfhörer, sondern überhaupt. Die Bühne ist zwar nicht sehr tief, aber überraschend weit. Ich habe schon offene Modelle gehört, die weitaus weniger Räumlichkeit zu bieten hatten und das verdient wirklich Respekt.

Verbindung

Wie schon der Vorgänger unterstützt der PX7 AAC, aptX HD und aptX Adaptive 24 Bit. Mit letzteren beiden Codes lässt sich Musik quasi verlustfrei und sehr hochauflösend genießen, was bei Kopfhörern in dieser Preisklasse auch eigentlich Standard sein sollte (aber nicht ist). AptX Adaptive ist ein besonders interessantes Schmankerl, da dieses Codec je nach Auflösung der Tonquelle eine perfekte Balance zwischen Bitrate und Latenz finden soll. Leider gibt es noch keine Wiedergabegeräte auf dem Markt, die dieses Codec unterstützen, aber immerhin ist der PX7 damit schon ein bisschen für die Zukunft gerüstet. Ebenfalls alles beim Alten bleibt es bei Klinken- und USB-C-Anschluss. Zum Musikhören muss der Kopfhörer auch über Klinke stets angeschaltet bleiben, dafür entschädigt die Möglichkeit, das Teil direkt über einen USB-Anschluss zu betreiben und so beispielsweise die grausigen Kopfhörerausgänge von Laptops zu umgehen. Klinke und USB sind zum Glück in dieser Generation auch weniger störanfällig, bzw. besser geschirmt: Rauschen konnte ich über keine meiner Quellen vernehmen.

Noise Cancelling

Was ist der Hauptgrund, sich so ein Gerät zuzulegen? Richtig, das ANC (oder auch Active Noise Cancelling/Aktive Geräuschunterdrückung). Auch hier wurde ein ordentliches Update vorgenommen: Die ANC-Funktion beeinträchtigt diesmal weder Klangqualität noch -Signatur und ist auch ein ganzes Stück effizienter. Ganz an Sonys Wunderchipset kommt B&Ws Geräuschunterdrückung nicht heran, aber kann dennoch gut mit der Konkurrenz mithalten. Da der PX7 etwas fester auf dem Kopf sitzt, ist das ANC-Erlebnis auch weniger störanfällig bei holprigen Busfahrten. Die Mikrofonpositionen sind jedoch scheinbar nicht ganz optimal gewählt, weshalb auf der höchsten Stufe der Geräuschunterdrückung Windgeräusche übertragen werden, was ziemlich nervt. Durch Umschalten auf die niedrige Stufe (oder ganz Ausschalten) lässt sich das Problem stark vermindern. Die Konkurrenz hat übrigens genau dasselbe Problem, scheint also eventuell ein inhärentes Problem der Technologie zu sein.

Fazit

Wie die meisten ANC-Kopfhörer hat auch der B&W PX7 seine Schwächen; allen voran der Sound, der audiophilen Puristen definitiv nicht in den Kram passen wird. Insgesamt haben die Briten allerdings ein sehr überzeugendes Gesamtpaket aus guter Verarbeitung, Tragekomfort, tollem Klang, vorbildlicher Codec-Unterstützung und effektiver Geräuschunterdrückung geschnürt. Meiner Meinung nach das beste Modell in dieser Preisklasse.

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