Die meisten Männer haben heutzutage begriffen, dass man bei hohen Temperaturen nicht unbedingt exklusiv nach Schweiß und dem Döner aus der Mittagspause riechen möchte. Die erste Affekthandlung, die die meisten Männer nach dieser Erkenntnis begehen, ist leider der Kauf des erstbesten trendigen Duftwässerchens, weshalb die Nachtclubs und Straßen regelmäßig nach einer Mischung aus Zuckerwatte und Puffsprudel riechen. Weil ich mich mit dem Thema Parfum zufällig einigermaßen gut auskenne, erweise ich Männern und Frauen gleichermaßen einen großen Dienst und präsentiere euch: Ein paar der besten Männerdüfte für die Sommerhitze (sortiert nach Preisklassen, weil ihr billige Bastarde seid).

Billig (kriegt man in jeder Standard-Parfümerieabteilung in Douglas, Müller etc.) 0-60€ / 50ml

Thierry Mugler – Mugler Cologne

Mugler Cologne ist ein gesichtsloser Alleskönner unter den Düften. Das klingt zunächst negativ, ist es aber nicht unbedingt. Leider ist es mittlerweile schon fast schwierig, einen frischen, sauberen Duft zu finden, der einen nicht mit der ultra-künstlichen Zitrus- oder Ambroxankeule niederstreckt. Mugler Cologne macht das nicht und erfüllt trotzdem alle Kriterien, die man an einen Sommerduft hat. Statt eine heftige Zitrusbombe erwartet einen hier ein eher krautiger Duft mit leicht seifigen Nuancen, als hätte man gerade auf einer Wiese geduscht. Auf jeden Fall ein guter Duft für hohe Temperaturen, der nicht unbedingt ein Statement setzt, aber dafür auch nichts wirklich falsch macht.

Dior – Eau Sauvage

Der Signaturduft von Steve McQueen und eigentlich bräuchte ich hier nichts mehr hinzufügen. Da ich bildungsferne Menschen aber nicht benachteiligen möchte: Eau Sauvage ist ein Urgestein und eine Legende unter den Männerdüften. An sich handelt es sich dabei nur um ein weiteres zitrisch-holziges Eau de Toilette, aber Parfumgenie Edmond Roudnitska gab der Mischung nicht nur eine dicke Portion Eichenmoos mit (heutzutage streng reguliert, da allergieauslösend), sondern verwendete auch erstmals den Stoff Hedion, der Düften nicht nur eine gewisse Frische verleiht, sondern angeblich auch aphrodisierend wirken soll. Seit Eau Sauvage ist Roudnitska eine Ikone unter den Parfumeuren und Eau Sauvage genießt auch heute noch, trotz etlicher Anpassungen der Rezeptur an EU-Richtlinien, einen gewissen Kultstatus und riecht auch immer noch ziemlich gut. Trägt heutzutage aber keiner mehr und ist gerade deshalb eine gute Wahl.

Guerlain – Homme L’Eau Boisée

Von Guerlain Homme gibt es ungefähr zweitausend Versionen, aber L’Eau Boisée ist meiner Meinung nach eine der besseren. Leichte Hölzer, Vetiver, Minze, Zitrusnoten und ein Hauch Rum bestimmen das Duftbild. Und obwohl man daraus auch eine schwere, orientalische Brühe brauen könnte, hat Chefparfumeur Thierry Wasser daraus einen federleichten, aber dennoch männlichen Sommerduft gezaubert, der auch jenseits der 30 Grad perfekt tragbar bleibt.

Teuer 70-100€ / 50ml

Tom Ford – Grey Vetiver Eau de Parfum

Vetiver ist eine Standardnote in holzig riechenden Parfums und deshalb eigentlich schon ziemlich ausgelutscht. Jedes Parfumhaus hat mindestens einen Duft, der sich dieser Note annimmt; doch Tom Fords Interpretation der Süßgraswurzel ist definitiv mal etwas anderes. Statt dem typisch holzig-erdigen Duft, den man sonst überall antrifft, präsentiert uns Grey Vetiver einen gereinigten, frischen, fast schon sterilen Vetiver, stilvoll umrandet mit sanften Zitrusnoten. Sauber, glänzend und fast schon futuristisch, passt zum Anzug gleichermaßen wie zu Chinos und T-Shirt.

Annick Goutal – Eau de Monsieur

Zusammengefasst riecht Eau de Monsieur wie ein Glas Lemon Curd im Garten, was ein verdammtes Kompliment ist; denn Lemon  Curd ist direkt nach dem Heavy Metal die sinnvollste Erfindung, die die Briten jemals  der Menschheit geschenkt haben. Ein weiteres Kompliment ist, dass ich diesen Duft liebe, obwohl er sehr Zitruslastig ist. Meine Nase ist extrem empfindlich gegenüber künstlichen Zitrusdüften und ich bekomme von Fensterreinigern à la Versace Pour Homme innerhalb von Sekunden Gehirnblutungen. Eau de Monsieur hingegen riecht sehr natürlich, dezent und tatsächlich auch edel. Wen das noch nicht überzeugt: Benedict Cumberbatch trägt das Zeug auch.

Nuttenteuer 100-200€ / 50ml

Creed – Millesime Imperial

Côte d’Azur, Yacht, Champagner, Melone. Vereint man diese Begriffe in einem Duft, bekommt man zweifelsohne Millesime Imperial heraus. Böse Zungen mögen ihn mit Acqua di Giò vergleichen, aber das kommt nicht mal annähernd die Tiefe, Vielschichtigkeit und vor allem Natürlichkeit der Creed-Schöpfung heran. Allgemein wird das Parfumhaus Creed ja kritisch von Connaisseuren beäugt, aber dieser Duft gehört zu der Handvoll Kreationen, die über alles gelobt werden. Und das ganz zurecht. Wer einen fruchtigen, frischen  und unbeschwerten Duft für die heißen Tage sucht und das entsprechende Budget übrig hat, kommt an Millesime Imperial kaum vorbei. Übrigens auch von Frauen sehr gut tragbar.

Tom Ford – Neroli Portofino

Die Düfte aus Tom Fords Private Collection stehen sowohl preislich als auch qualitativ über dem größten Rest des Parfümmarktes. Der bekannteste Vertreter der sommerlichen Düfte aus Tom Fords Lineup ist Neroli Portofino. Da der Artikel an Männer gerichtet ist: Bei Neroli handelt es schlicht und einfach um die Blüten der Bitterorange. Zitrische Duftnoten sind in der Sommerhitze immer eine gute Wahl, wenn auch sehr kurzlebig. Neroli Portofino ist ein top Beispiel dafür: Die Namensgebende Blüte bildet zusammen mit Orange und Amber in der Komposition einen sehr natürlich wirkenden, frischen und geradlinigen Duft, der aber leider auch schon nach drei Stunden verflogen ist. Wer die Kohle übrig hat und sich, sollte in die Tom Ford Parfums definitiv reinschnuppern. Alternative für Leute, die es nicht ganz so grell zitrisch mögen: Mandarino di Amalfi.

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