Verarbeitung und Design

Wer den XM3 zum ersten Mal auspackt, wird zunächst von dessen geringen Gewicht überrascht. Weder in der Hand noch auf dem Kopf macht sich dieser Kopfhörer bemerkbar, was angesichts all der verarbeiteten Technik eine respektable Leistung ist. So ein Leichtbau ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, denn obwohl der Sony sich nicht klapprig oder zerbrechlich anfühlt, macht er nicht den Eindruck, als sei er für die Ewigkeit gebaut. Insgesamt ist alles an diesem Kopfhörer aus Plastik und Kunstleder, was in dieser Preisklasse eine fragwürdige Materialauswahl ist. Wenigstens sieht der Kopfhörer nicht billig aus: Das Design ist stilvoll zurückhaltend und die Kupferfarbenen Akzente geben dem XM3 (und dessen Etui) ein insgesamt recht edles Aussehen.

Bedienung, Komfort, Isolation

Wie man es erwartet, erlaubt sich Sony in dieser Kategorie wenig Schwächen. Die Bedienung wird im beiliegenden Quick-Guide verständlich erklärt und ist ansonsten auch recht selbsterklärend. Der XM3 verfügt über insgesamt zwei Tasten: Ein an/aus/Pairing Schalter und eine Taste für das An-/Ausschalten des Noise Cancelling. Die rechte Ohrmuschel ist eine Touch-Oberfläche, mit der die Lautstärke verstellt und zwischen Tracks gewählt wird. Das funktioniert auch bei zügigem Schritttempo, was ein dickes Lob verdient. Besonderes Gimmick: Wer die flache Hand auf die Ohrmuschel hält, reduziert die Lautstärke und wirft die Umgebungsgeräusch-Verstärkung an, um ein kurzes Gespräch zu führen oder sonst irgendwie auf die Umgebung zu reagieren.

Wie auch bei der Konkurrenz ist das Installieren von Sonys App ein absolutes Muss. Hier lässt sich nicht nur ein Feintuning des ANC vornehmen, sondern auch eine Anpassung an Luftdruck und den Kopf des Hörers sowie viele weitere nützliche Einstellungen. Sogar einen Equalizer stellt Sony bereit, allerdings kann man diesen nicht in Verbindung mit dem LDAC-Codec verwenden, sondern muss mit AAC oder SBC vorlieb nehmen und büßt deshalb an Klangqualität ein. Die App ist insgesamt sehr übersichtlich und einfach gestaltet und verbindet sich jedes Mal schnell und zuverlässig mit dem Kopfhörer. Hier hat Sony alles richtig gemacht, nur die konstante Präsenz als Notifikationsleiste ist ein Wermutstropfen.
In der Kategorie „Komfort“ verdient sich Sony ebenfalls eine hohe Punktzahl. Ohr- und Kopfpolster sind weich und bieten ein angenehmes Tragegefühl. Zusammen mit dem geringen Gewicht der Konstruktion verschwindet der XM3 förmlich auf dem Kopf und lässt sich über längere Zeiträume hinweg problemlos tragen. Bei höheren Temperaturen rächt sich jedoch Sonys Entscheidung für Kunstleder und man fängt unter den Ohrpolstern sehr schnell an zu schwitzen. Das Isolationsvermögen des XM3 ohne ANC ist, wie man sich aufgrund des Gewichts schon denken kann, gering. Das ist insofern schade, dass man das Noise Cancelling bereits bei sehr niedrigen Außengeräuschpegeln anschalten muss, um seine Musik ungestört zu genießen. Das scheint Sony zu wissen und verpasst der Soundsignatur im Betrieb ohne NC einen Bass-Boost, was dem Phänomen aber irgendwie nicht wirklich entgegenwirkt.

Sound

Die Klangsignatur des XM3 richtet sich mit seiner V-förmigen Abstimmung erwartungsgemäß an den Mainstream. Bässe und Höhen sind angehoben, die Mitten leicht zurückgesetzt. Dadurch eignet sich der Kopfhörer besonders für Hip-Hop und Elektronische Musik, Fans von Orchestern und Akustikgitarren werden mit der Abstimmung nicht unbedingt glücklich. Der Tiefton ist breitbandig angehoben und klingt eher „fett“, was basslastigen Tracks Wie Run The Jewels‘ „Legend Has It“ den angemessenen Spaßfaktor verpasst. Bei schnellen Metalstücken wie Trivium’s Neuauflage von „Pillars of Serpents“ kommt Sony’s Treiber dann nicht mehr so ganz hinterher und das gesamte Bassfundament wirkt eher unkonturiert, aufgeblasen und träge. Bleiben wir beim selben Track, fällt auch die eher zurückhaltende Abstimmung der Mitten auf. Sowohl Matt Heafy’s Bariton als auch den Gitarren mangelt es an Volumen und Plastizität. Ein leichter Peak im Präsenzbereich verhindert glücklicherweise das Absaufen der Mitten, aber im Großen und Ganzen fällt schon auf, dass die Abstimmung der XM3 weniger auf Hi-Fi als auf easy-listening abzielt. Die Höhen sind durch einen Peak bei ca. 9-10kHz angehoben und wirken dadurch klar und direkt, aber leider auch etwas künstlich. Der Hochton ist tatsächlich die große Schwäche des Treibers, denn Hi-Hats und Becken fehlt nicht nur jegliche Plastizität, sondern auch die räumliche Positionierung der Instrumente ist auch eher schwammig und unpräzise geraten. Ich will aber natürlich nicht alles schlechtreden! Insgesamt bietet der XM3 ein sehr harmonisches und stimmiges Klangbild, das sich auf langen Reisen ermüdungsfrei genießen lässt. Allerdings wären in dieser Preisklasse eine höhere Klangqualität und kultiviertere Abstimmung mehr als angemessen.

Verbindung

Die Bluetooth Verbindung unterstützt standardmäßig AAC und SBC, sowie Sonys LDAC Codec für hochauflösenden HiFi-Klang. Ein Klinkenanschluss ist ebenfalls vorhanden und ich muss Sony hier ein großes Lob aussprechen, denn im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt von Bowers & Wilkins lässt sich der XM3 auch passiv über diesen Anschluss betreiben! Dafür muss Sony bei der Verwendung des USB-Anschlusses einen Punkt abgeben, denn beim XM3 dient dieser nur zum Laden.

Noise Cancelling

Sony hat zu Recht viel Lob für das Noise Cancelling des XM3 erhalten. Es arbeitet effektiv und ohne nennenswerte Verschlechterung der Klangqualität. Allerdings ist auch hier die Technologie noch nicht ganz ausgereift. Die Windempfindlichkeit hat Sony zwar per Firmware Update gut in den Griff bekommen, aber Erschütterungen und Luftdruckveränderungen bringen das System schnell durcheinander. Während im Flugzeug oder im Fernzug das NC zuverlässig und angenehm seinen Dienst verrichtet, verursacht es bei holprigen Fahrten im Stadtbus, Sprints zur Haltestelle oder Tunnelfahrten in der S-Bahn störende Verzerrungen bis hin zum Knacken. Das ist oft so unangenehm und störend, dass ich das NC auf manchen Strecken einfach ausgeschaltet habe. Der Grund für diese Schwäche ist letztlich aber nicht Sonys Noise Cancelling an sich, sondern eher die Radikale Leichtbauweise, die den XM3 zu wacklig und instabil auf dem Kopf sitzen lässt. Ein bisschen Metall und Echtleder hätten also doch nicht geschadet. Trotz dieser mechanischen Schwäche ist und bleibt Sonys NC das beste und effektivste auf dem Markt. Wer darauf den größten Wert legt, hat hier seine Kaufempfehlung.

Fazit

Der Sony WH1000-XM3 wird in den meisten Reviews als der beste Noise Cancelling Kopfhörer auf dem Markt betitelt und für den durchschnittlichen Verbraucher ist das korrekt. In Sachen Komfort, Bedienung und Noise Cancelling macht Sony so schnell keiner was vor und die meisten Funktionen wirken recht ausgereift und stimmig. HiFi-Fans, die nach dem absolut besten Klang in einem Drahtloskopfhörer suchen, werden hier allerdings nicht fündig, sondern müssen sich eher in Richtung Bowers & Wilkins umsehen (und dabei Abstriche beim Tragekomfort machen).

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