Manchmal braucht Kreativität eine kleine Auszeit, um sich zu erholen. Besonders, wenn man mit so seelenfressenden Dingen wie Arbeitsalltag oder anderen Verpflichtungen überschwemmt wird. Seine Hobbies mal ruhen zu lassen, wenn man jede freie Minute zur mentalen Erholung benötigt, ist völlig okay. Seine Hobbies wegen sowas aufzugeben oder zu vergessen ist es aber nicht. Deshalb kriegt ihr jetzt schon wieder einen Blogbeitrag von mir, denn ich hab endlich wieder Laune. Das muss man bekanntlich ausnutzen, so lange es geht. Aber nun Schluss mit dem wirren Geschwätz. Nach dem Sport Bier trinken war einfach keine kluge Idee. Zeit für ein Playlist-Update.

Atlas – Sunder

Eine meiner Lieblings-Neuentdeckungen des Jahres 2021 waren Atlas mit ihrem damals frisch erschienenen Debütalbum Ukko. Nicht weil mich der musikalische Stil durch kreative Frische oder Innovation vom Hocker gehauen hat; Atlas reiten auf der selben Welle wie Orbit Culture oder Born of Osiris, die aus einer Mische aus Metalcore-, Djent- und Melodeath-Elementen besteht.
Dementsprechend ist Sunder jetzt eher eine Empfehlung an Fans der eben genannten Bands als an Leute, die nach dem bahnbrechenden Release des Jahres suchen. Nichts desto trotz machen Atlas auch auf diesem Album eine sehr kompetente Arbeit und beglücken uns mit gut 30 Minuten voll fetter Riffs und mitreißenden Grooves, die sich super für die Gym-Playlist oder die nächste Autofahrt eignen.

Moodring – Death Fetish

Nu Metal ist ein Genre, dass sich jetzt seit gut 30 Jahren komplett weigert, den Löffel abzugeben oder an Popularität einzubüßen — zum Glück! Einer meiner liebsten Neuentdeckungen der letzten Monate in diesem Genre waren Moodring aus Florida, die sich mit ihrem Sound und Songwriting an Klassikern wie Deftones und Coal Chamber orientieren. Klingt nach einer wilden Mische und das ist es auch. Auf Death Fetish wechseln sich ruppige Moshpit-Kracher mit verträumten Shoegaze-Hymnen ab und sorgen für ein Hörerlebnis, das die 90er/2000er Melancholie vor allem mit Vielseitigkeit und Abwechslung zelebriert. Hier ist garantiert für jeden was dabei, der in seiner Jugend (oder auch jetzt noch) mal mit schwarzem Nagellack geflirtet hat.

Gaerea – Loss

Die maskierte Black Metal Sensation aus Portugal ist ja schon seit ihrem 2020 erschienenen Limbo fester Bestandteil meiner Empfehlungen und Best-Of-Listen. Auch für das neulich erschienene Loss mache ich da keine Ausnahme. Es gibt zwar ein paar Stimmen, die Gaerea diesmal eine Neuausrichtung zum Mainstream vorwerfen und einerseits ist da schon ein bisschen was dran; anderseits waren melodische und eingängige Passagen für Gaerea schon immer ein wichtiger und fester Bestandteil des Songwritings. Loss ist zwar definitiv das bisher melodischste und zugänglichste Werk der Band, an Komplexität und Intensität haben Gaerea aber (noch) nichts eingebüßt, was sie auch regelmäßig auf der Bühne verdeutlichen. Für mich ist dieses Album jedenfalls auf seine eigene Art wieder mal ein kleines Meisterwerk, das sich durch dichte Atmosphäre und raffiniertes Songwriting auszeichnet und mich bei jedem Hördurchlauf aufs neue regelrecht mitreißt. Gaerea sind für mich nach wie vor eine der besten Bands, die das letzte Jahrzehnt hervorgebracht hat und eine echte Bereicherung für das Genre.

Erra – Silence Outlives The Earth

Wenn jemand fragt, wie viele Riffs man auf ein Album packen kann, antworten Erra grundsätzlich mit „ja“. Die Progressive Metalcore Band aus Alabama ist schon seit einigen Jahren einer meiner Lieblingsbands und jedes ihrer Album Releases ist für mich bisher ein kleines Jahreshighlight gewesen. Die Genrebezeichnung mag zunächst für viele abschreckend klingen, aber die Band um Ausnahmegitarrist Jesse Cash schafft es, vertrackte Songstrukturen und komplexe Gitarrenriffs perfekt mit Ohrwurmrefrains und eingängigen Grooves zu verschmelzen. Erra spielen kein verkopftes Gitarrengewichse, sondern wundervoll geschriebene Songs, die jeweils für sich alleine stehen können und stets zum mitsingen und – tanzen verleiten. Auf Silence Outlives the Earth zeigen uns Erra außerdem, dass sie sich auch nach 15 Jahren noch weiterentwickeln und gleichzeitig mit frischen Songideen, Melodien und Riffs aufwarten können, was angesichts der schieren Masse an Monster-Riffs pro Songminute eine komplett unmenschliche Leistung ist. Ein weiterer starker Kandidat für das Album des Jahres.

Unverkalt – Héréditaire

Zum krönenden Abschluss dieses Blogbeitrags nochmal etwas düsteres. Unverkalt aus Griechenland spielen sehr atmosphärischen Post-Metal, der stilistisch manchmal ein bisschen an die Zusammenarbeit von Cult of Luna und Julie Christmas oder an Svalbard erinnert. Melodische, fast zarte Passagen wechseln sich hier mit intensivem Black-Metal-Geballer ab, das sich hinter Genregrößen wie Celeste nicht verstecken muss. Die Black-Metal-Einflüsse sind auf Héréditaire auch wieder deutlich häufiger und präsenter vertreten als auf den beiden vorangegangenen Alben. Heraus kommt dabei ein sehr mitreißendes Gesamtwerk, dem es nicht an Abwechslung und Dynamik fehlt und den Hörer regelrecht in sich hineinzieht. Héréditaire ist für mich ein echtes Highlight, dass ich immer wieder gerne am Stück durchhöre und wenn ihr dieser Band bis jetzt noch kein Gehör geschenkt habt, solltet ihr das schleunigst nachholen.

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