„Macht dir das Spaß?“ ist eine häufige und ziemlich dämliche Frage, die ich mir regelmäßig stellen lassen muss. Und wenn ich mit „natürlich nicht“ antworte, schaue ich jedes Mal in dümmlich paralysierte Gesichter. Woran das liegt? Egal ob Training, Job oder tägliche Routine: Durch die konstante Heile-Welt-Berieselung aus Hollywood, dem Fernsehen und sogar unserer Musik, wird vielen Leuten die Überzeugung ins Hirn gesetzt, alles müsse Spaß machen. Deshalb wächst die Gesellschaft seit Jahrzehnten zu einem fettleibigen, trägen Sauhaufen heran, dessen Komfortzone am Rand der Couch aufhört.

nicht fettleibig, aber dafür umso fauler.

Entsprechend hat sich auch das Marketing für alle Bereiche angepasst: Von Fitnessstudio-Plakaten lächeln semitrainierte Lauchgestalten schweißfrei und ein bisschen debil auf dich herab; Instagram-Schönheiten und Influencer vermitteln dir den Eindruck, sie seien ständig im Urlaub; Jobberater und Motivationstrainer erzählen dir ständig was von Hobby zum Beruf machen und stressfrei durchs Leben gehen. Jeder versucht, dir den Eindruck zu vermitteln, das Leben sei eine Mixtur aus Rummelplatz und Ponyhof. Alles ist toll, alles macht Spaß. Wenn dem nicht so ist, hast du irgendwas falsch gemacht, oder einfach nicht genügend von den Dingen eingekauft, die dir in deinen Social Media Feeds angepriesen wurden. Das ist Pferdescheiße.

Wie sich mein Alltag anfühlt

Glaubst du etwa ich habe Spaß, wenn ich schwitzend, ächzend und unter Schmerzen Kniebeuge mit dem Gewicht deiner Mutter auf dem Rücken mache? Glaubst du, es sei mit Spaß verbunden, jeden Tag narzisstischen Klienten und oder Kunden in den Arsch zu kriechen? Kiloweise technisches Equipment durch die Gegend zu schleppen? Nächte gekrümmt vor dem Rechner zu verbringen? Wandfarbe ins Gesicht zu bekommen beim Decke streichen? Wer vom Leben etwas will, etwa einen gutaussehenden Körper, ein volles Bankkonto oder meinetwegen auch ein frisch gestrichenes Zimmer, muss dafür etwas tun. Und das ist nur sehr selten mit Spaß verbunden.

lauter glückliche Gesichter

Usain Bolt ist nicht der schnellste Mann der Welt, weil er nur auf die Rennstrecke geht, wenn er Bock darauf hat. Kirk Hammett spielt nicht deshalb gut Gitarre, weil er sein Instrument nur nach Lust und Laune in die Hand nimmt. Menschen, die gut in etwas sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie diese eine Sache auch dann (aus)üben, wenn sie eigentlich überhaupt keinen Bock darauf haben. Sie haben verstanden, ihre Launen und ihre mentale Tagesform dem hehren Ziel und ihren Träumen unterzuordnen. Jeder Athlet auf Olympia-Niveau möchte eine Medaille; aber niemand hat ernsthaft 365 Tage im Jahr Bock, seinen Körper zu schinden. Die Leute, die auf den Siegerpodesten stehen, haben es trotzdem getan. Nur wer bereit ist, Zeit und Energie (und Schweiß und Schmerzen) in seine Leidenschaften zu investieren, auch wenn er gar keine Lust darauf hat, wird darin besser als der durchschnittliche Weekend-Warrior, der alles chipsfressend von der Couch aus kommentiert.

meine Verachtung für die Spaßgesellschaft in einem Bild zusammengefasst

Natürlich wollen uns Konzerne und Medien zu schlaffen und gehorsamen Konsumenten erziehen. Deswegen wird schön penetrant deren Message in den Äther geschossen: Alles muss Spaß machen. Koste das Leben aus (YOLO ®)! Was keinen Spaß macht, ist deine Zeit nicht Wert!

Diese beschissene, gehirngewaschene Lebenseinstellung ist der Grund dafür, dass die Durchschnittsperson aussieht wie ein Sack voll Knete, und außer Konsumieren und Geldausgeben nichts auf die Reihe bekommt. Es scheint völlig normal zu sein, jahrelang zu trainieren, ohne irgendwelche Fortschritte zu machen. Ständig neue Projekte anzufangen, die niemals fertiggestellt werden. Jahre seines Lebens hinter sich zu bringen, ohne irgendwas Neues zu lernen. Wen wundert es da, dass so viele Menschen unzufrieden mit ihrem Leben sind? Sich durch seelenlosen Konsum von Endorphinkick zu Endorphinkick hangeln, bis man irgendwann endlich ins Gras beißt, ist meiner Meinung nach eine ziemlich traurige Art, seine Lebenszeit zu verschwenden. Die Durchschnittsperson ist in meinen Augen nicht weit vom Junkie hinter der Bahnhofshalle entfernt.

Dabei ist es wirklich einfach, diesem Schicksal zu entgehen: Mach einfach mal etwas, das dir keinen Spaß macht, zur Gewohnheit. Eiskalt duschen, an der Schmerzgrenze trainieren, mehr als einmal im Monat einen Blogbeitrag veröffentlichen (lol)… Du wirst es dir selbst irgendwann danken.

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