Die Corona-Pandemie 2020 neigt sich so ihrem Ende zu. Dennoch sind nach wie vor viele Menschen weltweit schwer erkrankt, durch Arbeitslosigkeit bedroht, werden in ihrem Alltag eingeschränkt und werden vor allem langsam wahnsinnig. Die Zeichen deuten langsam schon darauf hin, dass Regierungen und Behörden bald wieder ganz smooth und unauffällig das „business-as-usual“ fortführen möchten und sich ganz nebenbei jeglicher Verantwortung entziehen. Fest steht allerdings, dass sehr viele Dinge gewaltig schiefgelaufen sind und die Situation so nicht hätte kommen müssen. Ich möchte diesen Artikel dazu nutzen, wie immer ungefragt meinen Senf zur aktuellen Lage zu geben und zu beleuchten, wer darin versagt hat, unsere Gesellschaften vor unnötiger Krankheit und Chaos zu bewahren. Aus einer Krise sollte man gestärkt hervorgehen; dazu gehört auch, nicht dieselben Fehler in Zukunft erneut zu begehen. In diesem Artikel benutze ich übrigens ziemlich oft ein Semikolon und das wahrscheinlich auch noch falsch;;;;

Wer ist eigentlich an allem Schuld?

Die unbequemste Wahrheit von allen ist, dass die Schuldigen an der jetzigen Krise bereits gefunden sind. Und dass das Ausfindig machen der Schuldigen keinerlei Aufwand oder stundenlanger Recherche bedarf, da die Fakten so klar auf der Hand liegen. Nach circa fünf Minuten oberflächlicher Google-Recherche ist die Beweislage schon so erdrückend, dass ich das ohne schlechtes Gewissen schon an den Anfang meines Artikels setzen kann: Die Schuldigen an der weltweiten Corona-Krise sind unsere Regierungen, deren Trägheit beim Treffen vitaler Entscheidungen und nicht zuletzt auch deren arschkriecherisches Verhalten vor der chinesischen Regierung. Insgesamt sind viele Probleme auf der Welt dem Gekusche vor Wirtschaft, anderen Regierungen und zwielichtigen/vorlauten Interessengruppen geschuldet. Dazu komme ich aber noch später.

Das chinesische Neujahrsfest

Im Chinesischen gibt es das Wort „Chunyun“, welches für das Verkehrsaufkommen während des dortigen Neujahrsfestes benutzt wird. Tatsächlich handelt es sich dabei um die größte menschliche Migrationsbewegung des Planeten jedes Jahr. Fast 4 Milliarden Chinesen steigen in Autos, Busse, Züge, Flugzeuge und Dschunken, um ihre Verwandten und Freunde zu besuchen oder Urlaub zu machen. Das Auftreten einer sich schnell verbreitenden Atemwegserkrankung während dieser Zeit sollte für jeden halbwegs denkfähigen Menschen ein Alarmsignal sein; aber die Welt hat sich wie immer blind, stumm und taub gestellt, um ihren Handelspartner nicht zu verärgern oder als politisch unkorrekt dargestellt zu werden.

https://news.cgtn.com/news/2020-02-03/Graphics-What-does-Chunyun-mean-for-coronavirus-hit-Wuhan–NMVQCjIxd6/index.html

https://edition.cnn.com/travel/article/chunyun-2020-lunar-new-year-travel-rush-china/index.html

Die WHO hat sich von ihrer schlechtesten Seite gezeigt

Die WHO hat COVID-19 erst am 12.3.2020 zur Pandemie erklärt, da gab es bereits seit einem Monat bestätigte Fälle in fast jedem Land der Erde. Somit war die Haupteigenschaft des Begriffes „Pandemie“ längst erfüllt. Die feinen Herren in Genf waren aber wohl zu sehr damit beschäftigt, China bis in den Himmel zu loben oder ihr Geld zu zählen (was wahrscheinlich miteinander zusammen hängt).

Die WHO hat in ihrem Verhalten und ihren Empfehlungen ziemlich genau die Politik vieler Staaten gespiegelt und sich übertrieben zaghaft, leisetreterisch und inkonsequent gezeigt. Für eine Organisation, deren einziges Aufgabengebiet die Gesundheit der Menschheit ist, kann man dieses Verhalten nur als unangemessen bezeichnen. Die WHO muss meiner Meinung nach grundlegend reformiert werden, damit sich ihre Empfehlungen nicht mehr Staats- oder Industrieinteressen anbiedern. Staaten, die ihre Seuchenpräventionsstrategien nach Empfehlungen der WHO ausrichten (also fast alle), hinken der Krankheit also gut einen Monat hinterher. Die aktuellen Maßnahmen, die das Leben der Bürger maßgeblich verändern und einschränken, sind also keine Präventionsmaßnahmen; sie sind Schadensbegrenzung.

https://www.dailymail.co.uk/news/article-8304471/Chinas-president-Xi-Jinping-personally-requested-delay-COVID-19-pandemic-warning.html

https://www.deutschlandfunk.de/machtpolitik-mit-dem-virus-warum-china-taiwan-aus-der-who.799.de.html?dram:article_id=470315

https://www.nzz.ch/international/coronavirus-krise-die-who-hofiert-china-und-ignoriert-taiwan-ld.1550313

Die Renaissance der Verschwörungstheoretiker

Das Muster ist immer das gleiche. Die Regierung fällt Entscheidungen, die ein paar Leuten nicht schmecken; deshalb sind sie unzufrieden und können sich nicht mehr mit ihrer Regierung oder einem Großteil ihres persönlichen Umfeldes identifizieren. Sich die Schwäche einzugestehen, selbst nicht alles besser machen zu können (Partei gründen, Wahl gewinnen, das Land besser führen), übersteigt aber das mentale Fassungsvermögen des Durchschnittsbürgers. Zu begreifen, dass die meisten Menschen eben nur kleine, unbedeutende Zahnrädchen im Getriebe der Welt sind und sich niemand für ihre kleingeistige, irrelevante Meinung interessiert (an dieser Stelle ein fettes Dankeschön an all meine Leser :D), würde diesen Leuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Stelle eine tödliche Gehirnblutung zufügen. Trotzdem wären wir alle aber gerne etwas Besonderes; „special snowflakes“, wie man im englischsprachigen Raum so schön sagt. Wenn also jemand mit einer Theorie daherkommt, die für die persönliche Unzufriedenheit und Misere einen Sündenbock bietet (Rothaarige Frauen, Juden, Bill Gates), diesen einer wahnwitzigen Weltverschwörung beschuldigt und das ganze mit erfundenen/erlogenen Quellen und Interviews mit desorientierten Zerebralsklerotikern untermalt, hat man ganz schnell ein großes Publikum an der Hand, das wirklich alles frisst, was man ihm vorwirft. Selbst recherchieren kratzt nämlich ebenfalls an der geistigen Kapazität des Durchschnittsbürgers. Ja, es ist eine traurige Wahrheit: Die meisten Leute sind dumm. Und es wird immer einen besserwisserischen Idioten geben, der keine Bücher liest und in seinem Leben höchstens bis Malle gekommen ist, dir aber dennoch erzählen will, wie die Welt funktioniert.

https://www.rhein-zeitung.de/deutschland-und-welt_artikel,-wie-xavier-naidoo-und-attila-hildmann-wirre-gewaltfantasien-verbreiten-verschwoerungstheoretiker-ster-_arid,2119099.html

https://www.tagesspiegel.de/berlin/hunderte-protestieren-gegen-corona-regeln-polizei-beendet-demonstration-von-attila-hildmann-vor-dem-reichstag/25808108.html

Ist Kritik am System nicht gerechtfertigt?

Doch. Aber dennoch regen mich die selbsternannten „Systemkritiker“ auf, die auf einmal wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die meisten davon schauen das ganze Jahr lang zusammen mit der Regierung däumchendrehend dabei zu, wie Länder in Elend, Chaos und Bürgerkrieg versinken. Heulen dann aber rum, wenn aus diesen Ländern Flüchtlinge in unsere Gefilde reisen, weil sie keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß haben. Das weicht jetzt etwas vom Thema ab, aber es muss gesagt werden: Auch die Flüchtlingskrise ist ein gutes Beispiel, wie die Untätigkeit der europäischen Regierungen menschliches Elend auslöst. Der Bürgerkrieg in Libyen hätte gänzlich vermieden werden können und der Krieg in Syrien wäre auch schnell vorbei gewesen, hätte Europa beherzt eingegriffen*. Stattdessen hat man wieder vor ein paar Großmäulern gekuscht und lieber Waffen verschickt, die letztlich dann doch in falsche Hände fielen.

Aber auch hier galt wohl wieder: Konfliktvermeidung um jeden Preis. Die europäische Bevölkerung sollte sich langsam aber mal überlegen, ob dieser Preis es wirklich Wert ist. Das Appeasement von Russland, das eigentlich seit Jahrzehnten schon bankrott ist und den USA, die in den meisten Teilen der Welt gar keine Handhabe hätten, würden wir nicht ihre Flugzeuge betanken, ist das schiere Ausmaß an resultierendem menschlichen Leid nicht wert*. Den Bückling vor China zu machen setzt dem ganzen jetzt eben noch die Krone auf und treibt die ideologische Spaltung unserer Gesellschaften noch weiter voran.

*Die Sachverhalte sind etwas komplexer, aber ich bin gerne dramatisch.

https://www.thelocal.de/20160122/kurds-selling-german-delivered-guns-on-black-market

Auch die Gesellschaft hat versagt

Auch der Ottonormalverbraucher hat sich mal wieder unfähig gezeigt, mit Krisensituationen umzugehen. Über private Krisenvorsorge habe ich ja schon ein bisschen gesprochen und auch darüber, dass die Bundesregierung sogar offizielle Empfehlungen zur Vorratshaltung herausgibt. Dennoch hat die Schafherde bei der Bekanntmachung des ersten Maßnahmenkatalogs in den Panikmodus geschaltet und erstmal Klopapier für die nächsten zwölf Jahre gehamstert. Na guten Appetit wünsche ich. Auch die wichtigste Säule der Gesellschaft, nämlich die Bildung, fing recht schnell an zu bröckeln. Selbstverständlichkeiten wie digitaler Unterricht, Home-Office und Videokonferenzen stellen die Deutsche Boomer-Generation auf einmal vor unlösbare Probleme. Jahrzehntelang hat man sich gegen alles gesperrt, was mit Computern und technischem Fortschritt zu tun hat; jetzt wurde die Rechnung dafür auf den Tisch gelegt. Es stapeln sich Berichte über blamable Videokonferenzen, Bandbreitenengpässe, Lahmlegungen durch Hackerangriffe und so weiter.

Die Chefetagen und Rektorate dieses Landes haben sich in Sachen Technik und Zukunftssicherheit von ihrer schlechtesten Seite gezeigt und ich hoffe, dass das den richtigen Leuten noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Wie zu erwarten, konnte es dementsprechend auf einmal nicht mehr schnell genug gehen, zumindest die Schulen wieder in Betrieb zu nehmen. Wer den richtigen Leuten hoffentlich ebenfalls im Gedächtnis bleiben wird, sind die Menschen, die auch während der Hochphase des Shutdowns auch weiterhin jeden Morgen (oder Abend) zur Arbeit gingen; die sogenannten systemrelevanten Berufe. Interessanterweise waren nicht viele dabei, die überdurchschnittlich gut bezahlt werden. Wieder kamen die verzerrten und pervertierten Prioritäten der Gesellschaft ans Licht: Die Besserverdiener saßen größtenteils unproduktiv zu Hause und durften ihre Unfähigkeit beim Bedienen einer Webcam unter Beweis stellen. Währenddessen schlugen sich Sub-Durchschnittsverdiener nach wie vor (diesmal unter erschwerten Bedingungen) Tage, Nächte, Wochenenden und Feiertage um die Ohren, um ihre Mitbürger zu füttern oder deren diabetische Ärsche in der Notaufnahme zu retten. Dafür gabs dann auch Applaus, was an sich ganz nett ist, aber davon kann man sich wenig kaufen.

Und nein, ich fordere jetzt nicht einfach mehr Geld für systemrelevante Berufe, was an sich zwar angebracht wäre, sondern generell mehr Wertschätzung und eine Anpassung der Arbeitsbedingungen an das 21. Jahrhundert. Niemand von uns will in der Notaufnahme oder auf dem OP-Tisch landen, in der Gewissheit, dass das Personal dort übermüdet und gereizt ist, weil es seit Jahren schon keinen normalen Schlafrhythmus mehr kennt und an diesem Tag wegen Personalmangels schon die zweite Überlastanzeige eingereicht hat. Bevor also das nächste Mal über Streiks und laute Gewerkschaftler die Augen verdreht werden, sollte man sich daran erinnern, für was man damals fleißig applaudiert hat. Statt also gegen angebliche Zwangsimpfungen, Bill-Gates’sche Weltverschwörungen und 5G-Masten auf die Straße zu gehen, sollten die Leute lieber mal ihr Gehirn einschalten… und dann trotzdem auf die Straße gehen; aber für die richtigen Forderungen und Ideale! Allgemein wird immer gerne gegen etwas demonstriert, weil das sehr einfach ist. Zeiten wie diese sollten aber dazu ermutigen, endlich mal für etwas zu einzustehen und zu demonstrieren. Hört auf, wegen Maskenpflicht rumzuheulen und erhebt eure Stimme für faire und gesunde Arbeitsbedingungen; zeitgemäße Bildungspolitik; Investitionen in Infrastruktur; und nicht zuletzt: proaktiv, entschlossen und transparent handelnde Regierungen, damit wir uns so eine Scheiße in Zukunft nicht mehr geben müssen.

https://www.lokalkompass.de/bochum/c-politik/bochum-fehlt-notfallplan-fuer-digitalen-schulunterricht_a1365231

https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-corona-erfahrungen-international-1.4886191

https://www.horizont.net/schweiz/nachrichten/meeting-kultur-diese-peinlichen-pannen-sollten-sie-in-einem-online-meeting-vermeiden-182477

https://www.aerzteblatt.de/archiv/78410/Schichtarbeit-und-Krebs

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