Herzlich willkommen in der Virusapokalypse! Okay das war jetzt übertrieben, aber Tatsache ist, dass wir uns momentan in einer sehr herausfordernden Situation befinden. Inmitten all des Chaos aus Ungewissheit, Ansteckungsgefahr und gesetzlichem Shutdown ist ein Thema, das jeden interessiert: Wie kann ich mich schützen? Auf dem Höhepunkt einer Pandemie lauert die Ansteckungsgefahr an jeder Ecke, aber dennoch kann sich niemand einfach zu Hause verschanzen und warten, bis alles vorbei ist. Regelmäßig muss man zur Arbeit, Einkäufe erledigen oder ähnlich wichtige Abenteuerausflüge unternehmen. Damit auch du gesund wieder nach Hause kommst, habe ich ein paar gängige Schutzmaßnahmen unter die Lupe genommen und meinen Senf dazu abgegeben, damit auch das letzte Missverständnis diesbezüglich erst mal vom Tisch ist.

Durch die Nase atmen

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Natur hat uns die Nase und das dazugehörige Höhlensystem nicht zur Zierde mitgegeben. Nase und Nasenhöhlen haben ein paar wichtige Aufgaben. Zum einen eine grobe Vorfilterung und Beurteilung der Luft durch Nasenhaare, Schleim und Sinneszellen. Vor allem aber wird im weitläufigen Nasenhöhlensystem die Atemluft temperatur- und feuchtigkeitsmäßig an das Körperinnere angeglichen. In den kalten Jahreszeiten werden ein paar von euch regelmäßig zu Mundatmern, was das Luftholen zunächst leichter erscheinen lässt, aber eure Atemwege ziemlich schnell kaputtmacht: Durch den Mund zieht ihr trockene und kalte Luft weitgehend unangetastet in euren Respirationstrakt, was eure Schleimhäute dort austrocknet und reizt. Das ist eine formale Einladung für Krankheitserreger aller Art und einer der Gründe dafür, dass im Winter alle möglichen Krankheitswellen herumgehen.

Masken

Staatliche Informationsstellen und zeitweise sogar die WHO haben steif und fest behauptet, Masken böten keinen Schutz vor Ansteckung. Das hat zwei Gründe:

  1. Es gibt verschiedene Kategorien von Masken. Der klassische Mund-Nase-Schutz, den man von Pflegekräften und Chirurgen aus dem OP kennt, bietet tatsächlich kaum Schutz. Er ist dafür gedacht, aufgeschnitten auf dem Tisch liegende oder Immunsupprimierte Patienten vor dem verkeimten Mauldampf und gelegentlichen Niesern oder Hustern des Krankenhauspersonals zu schützen. Es gibt aber auch Masken, die eine echte Schutzwirkung bieten und in Kategorien FFP1 bis FFP3 eingeteilt werden. Ab Kategorie zwei ist man bereits sehr gut geschützt, die dritte kann man fast schon als Schutz gegen biologische Kampfstoffe einsetzen. Allerdings müssen diese Masken richtig gehandhabt werden und auch richtig abdichten, um Schutz zu gewährleisten. Wenn das mal der Fall ist, kriegt man darunter auch wirklich nicht gut Luft, was für viele nochmal ein Grund wäre, die Dinger nicht zu tragen. Ein Faktor, den viele außer Acht lassen: Eine Maske hält grundsätzlich Tröpfchen und verseuchte Finger von Mund und Nase fern, was die Ansteckungsgefahr vermindert. Dass eine ziemlich maue Studienlage dazu hergenommen wurde, um der Bevölkerung vom Gebrauch jeglicher Schutzausrüstung abzuraten, grenzt meiner Meinung nach an vorsätzlicher Körperverletzung. Warum solche Empfehlungen herausgegeben wurden? Ganz einfach:
  2. Staaten und öffentliche Einrichtungen haben es verpasst, sich einen vernünftigen Vorrat an Schutzausrüstung zuzulegen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Bevölkerung in den Industrieländern ohne größere Probleme aufgewachsen. Die daraus resultierende Sorglosigkeit in Verbindung mit Profitgier ließ das Konzept der Just-In-Time-Produktion perverse Ausmaße annehmen und es letztlich sogar in unseren normalen Alltag und nicht-produzierende Wirtschaftszweige einfließen. „Oh ich brauche in drei Tagen etwas? Reicht ja, wenn ich es morgen bestelle.“  – Das ist eine etwas naive Herangehensweise, wenn man einen Betrieb führt, der stark von Verbrauchsmaterialien abhängig ist. Nichtsdestotrotz haben Arztpraxen und Kliniken diese Strategie scheinbar sorglos verfolgt (auch um kurzfristig Geld zu sparen) und hatten deshalb keine Schutzausrüstung mehr übrig, bevor die aktuelle Viruspandemie unsere Grenzen überschritten hat. Um den Betrieben im Gesundheitswesen etwas Luft zur Beschaffung nötiger Materialien zu verschaffen, hat man eben der Allgemeinbevölkerung abgeraten, sich für den Privatgebrauch solche Dinge zu kaufen.

Was mir sauer aufstößt, sind die Widersprüche, in die sich offizielle Informationsquellen dabei verstricken. Einerseits wird behauptet, alle Mundschützer und Masken unter FFP2 böten keinen Schutz, weil die Viruspartikel aufgrund ihrer geringen Größe einfach durchkämen. Anderseits wird behauptet, das Virus verbreite sich nicht über die Luft (d.h. es fliegen keine einzelnen Viren in der Luft herum), sondern über Tröpfchen. Diese Tröpfchen sind aber viel größer als einzelne Viren und würden somit in einer billigen Stoff- oder Papiermaske hängen bleiben. Zur Verwirrung beigetragen hat letztlich der Chef der Bundesärztekammer, der offiziell empfohlen hat, in der Öffentlichkeit nun doch einen Schutz zu tragen. Fakt ist: Jeder Schutz ist besser als keiner. Hast du keine FFP3-Maske zur Hand, trag einen billigen Mund-Nase-Schutz oder eine Stoffmaske. Zur Not tut es auch ein Schal. Wichtig ist eben, dass die Schutzmaßnahmen wie infektiöses Material behandelt und somit regelmäßig verworfen/gereinigt/desinfiziert werden müssen.

Handschuhe

Vom Gebrauch von Einmalhandschuhen kann ich grundsätzlich abraten. Sie schützen natürlich vor Schmier- und Kontaktinfektion beim Umgang mit kontaminierten Gegenständen und Oberflächen; aber natürlich nur, wenn man die Handschuhe danach sofort auszieht und entsorgt. Ich habe jetzt schon einige Leute in der Öffentlichkeit mit Latexhandschuhen herumrennen sehen, die sich nach dem Anfassen der Türklinke dann trotzdem ins Gesicht gefasst oder ihr Handy aus der Tasche gezogen haben. Das ist natürlich dumm und ineffizient. Bei korrekter Anwendung müsste man auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit aber leider eine halbe Packung Handschuhe verbrauchen, was auch nicht unbedingt der Bringer ist. Wer dem Drang, sich regelmäßig ins Gesicht zu fassen, nicht widerstehen kann, sollte Türklinken und Co. einfach mit normalen Winterhandschuhen bedienen und diese dafür regelmäßig waschen/reinigen. 

Desinfektion

Eine der ersten Dinge, die bei einer Pandemie/Epidemie regelmäßig ausverkauft oder gar aus öffentlichen Einrichtungen geklaut werden, ist Desinfektionsmittel. Macht das Sinn? Meiner Meinung nach nicht. Desinfektionsmittel sind nicht so einfach zu benutzen, wie die meisten Menschen glauben. Sogar Profis (Ärzte, Pflegepersonal) versagen häufig beim Desinfizieren ihrer Hände, weshalb sogenannte Nosokomialinfektionen (Ansteckung mit Krankenhauskeimen) auch hierzulande keine Seltenheit sind. Und die Leute werden regelmäßig darauf geschult! Die Chance, dass der Durchschnittsbürger beim effektiven Desinfizieren seiner Hände besonders gut abschneidet, ist verschwindend gering und ich lache mir regelmäßig ins (sterile) Fäustchen, wenn ich Patienten und deren Angehörige im Krankenhaus am Desinfektionsmittelspender beobachte. Wenn du also deine Hände von Krankheitserregern befreien willst, gibt es eine günstigere und ebenso effektive Methode, die auch im professionellen Bereich für die Händedesinfektion unerlässlich ist:

Waschen

Das wurde jetzt in den letzten Wochen oft propagiert, aber ich wiederhole das gerne nochmal: Wascht um Himmels Willen eure Hände. Ihr müsst dabei nicht „Happy Birthday“ singen, der Onkelficker-Song aus South Park geht durchaus auch in Ordnung. Viele Leute vergessen gerne, dass es eine Menge Krankheitserreger gibt, die verdammt widerstandsfähig sind und sich für herkömmliches Desinfektionsmittel nicht wirklich interessieren. Dazu gehören übrigens auch Noroviren. Diese hartnäckigen Krankheitserreger einfach von den Händen herunterwaschen ist einfach und effektiv und kann von jedem normalen Menschen durchgeführt werden. Auch Chirurgen verlassen sich nicht nur auf  die Wirkung von Desinfektionsmitteln und waschen sich vor einer OP zusätzlich minutenlang die Hände. Also lass von der Idee ab, zu Hause flaschenweise das Sterillium zu horten und kauf lieber ein Stück Seife.

Zuhause bleiben

Mittlerweile sowieso von der Regierung angeordnet, aber auch bei Grippewellen etc. der beste Schutz für sich selbst und andere ist zu Hause bleiben. Vor allem, wenn man krank ist. Jedes Land hat dazu seine eigene Mentalität und Situation, aber die Deutschen schleppen sich gerne bei 40 Grad Fieber zur Arbeit und finden das heroisch; melden sich dann ein paar Wochen später krank, weil der dritte Aperol Spritz mit Biggi am vorigen Nachmittag doch etwas zu viel war. Wir haben in Deutschland eines der unbürokratischsten Systeme der Welt, was Krankheitstage angeht. Das sollte man auch effektiv nutzen, um seine Gesundheit und die der Anderen zu schützen. Wenn du dich krank oder unwohl fühlst, bleib verdammt nochmal zuhause, damit die Leute, die unser System am Laufen halten, sich nicht bei dir anstecken.

Was Rausgehen angeht, hat unser Staat (wenn auch viel zu spät) glücklicherweise mittlerweile durchgegriffen und unser Sozialleben gesetzlich auf das Mindestmaß reduziert. Dabei fällt einem schon mal leicht die Decke auf den Kopf, deshalb hier meine Empfehlung: Nutze die Zeit! Setze dich wieder an kreative Projekte, die liegen geblieben sind. Putz deine Wohnung. Sortiere deinen Papierkram. Probiere ein paar gute Home-Workouts. Lerne eine neue Sprache. Spiel deine Steam-Bibliothek durch. Lerne ein paar neue Skills, z.B. Meditation oder bringe deinem Nachwuchs etwas Neues bei. Generell ist jetzt eine verdammt gute Zeit, an sich selbst zu arbeiten. Halte dein Oberstübchen in Schwung und die Augen offen für neue Möglichkeiten, die dir diese Situation bietet. So gehen wir alle gestärkt aus dieser Krise hervor.

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