Das Internet verändert sich ständig. Und mit ihm auch die Art, Informationen bereit zu stellen, zu beschaffen und zu verarbeiten. Leider geht der Trend in den letzten Jahren verstärkt in Richtung Video- und Tonaufnahmen zu ungunsten des Textes. Wer nach Information sucht, wird zunehmends mit qualitativ minderwertigen Selfie-Video-Monologen und armselig aufgenommenen Handyvideos überschüttet, die größtenteils so interessant sind wie eine Vorlesung über Verschlussmechanismen chinesischer Reissäcke auf Veronal. Dieser Trend ist wahrhaftig boykottwürdig, denn das geschriebene Wort ist all diesen Formaten in vielerlei Hinsicht überlegen.

Geschriebene Artikel sparen Zeit und sind effektiver

Nichts ist frustrierender, als Zeit in Recherche zu investieren, um dann festzustellen, dass letztlich alles für den Arsch und deine Zeit verschwendet war (letzte Recherche, die nach dem Muster ablief, war zum Thema „es gibt noch Hoffnung für die Menschheit“). Bestes Beispiel ist ein Testbericht, den ich letztens auf YouTube gesehen habe. Der „Tester“ hatte ein zehnminütiges Video eingestellt, in dem er hilflos an dem Produkt rumfummelte und komplett unqualifizierten Stuss herausstammelte. Wie ich letztlich wenig überrascht erfuhr, alles aus der Luft gegriffen. Das ist mittlerweile leider das typische Ergebnis von Online-Recherche. Statt sich ein paar gut geschriebene Artikel zusammen zu suchen, muss man sich jetzt durch Stunden von Videomaterial quälen, weil ein paar narzisstische Einfaltspinsel gerne ihre Fresse im Bewegtbild sehen, ohne dies mit einer qualifizierten Meinung rechtfertigen zu können. Einen geschriebenen Text kann ich innerhalb weniger Sekunden überfliegen und dann entscheiden, ob dieser inhaltlich brauchbar, sinnvoll strukturiert und sprachlich aushaltbar ist. Bei einem Video muss man sich eventuell bis zum Schluss durch dummes Gelaber und Sponsormeldungen quälen. Ain’t nobody got time for that!

Was zur Hölle ist in der Zwischenzeit passiert?

Ihr seid nicht so eloquent, wie ihr glaubt.

Ich weiß nicht, was „die da oben“ ins Trinkwasser getan haben, aber ein stetig wachsender Teil unserer Gesellschaft ist in letzter Zeit der Meinung, ein Gottgeschenk für die Menschheit zu sein, mit dem Auftrag, Weisheit und wertvolle Information unter den Sterblichen zu verbreiten. Leider können sich die meisten davon kaum selbstständig die Schuhe binden und haben die sprachliche Grazie eines lobotomierten Eisverkäufers. Das fängt bei strohdummen oberkörperfreien Discopumpern an, die mir etwas über Ernährungswissenschaften sagen wollen; bis hin zu minderjährigen Clearasil-Models, die meinen, mir etwas über das Leben beibringen zu können. Dabei würde ich jeden dieser wertlosen Zeitverschwender ohne zu zögern für eine Kugel Vanilleeis auf einem Azteken-Altar opfern und hätte dem Internet dabei noch etwas Gutes getan.

Kein Applaus für Scheiße

Die Götter sind bekanntlich sarkastische Wichser und deshalb ist es möglich, durch oben beschriebene Videobeiträge Geld zu verdienen. Deshalb möchte ich alle Leser dieses Artikels (ich weiß, wer ihr drei seid) erneut dazu ermutigen, dieses Format zukünftig zu boykottieren. Für Beiträge über Videospiele, Gadgets, Sport oder Ähnliches und natürlich vor allem für Entertainment ist das Videoformat natürlich fantastisch geeignet. Wenn du allerdings einen Testbericht oder einen sonstigen Beitrag über Dinge wie Bücher, Parfüm, Hardware oder Musik (war zu VIVA-Zeiten schon scheiße) findest, klick ihn nicht an und gönn dem eitlen Penner oder der eitlen Trulla dahinter keinen Cent.

Für Dinge, bei denen der optische Eindruck keine Hauptrolle spielt, ist Text das absolut überlegene Medium. Meistens jedenfalls. Der Typ, der bei Parfumo ein dreiseitiges Gedicht über ein Eau de Toilette, das nach WC-Ente riecht, verfasst hat, wird hoffentlich im Schlaf von Ameisen gefressen.

Fazit?

Nicht alle YouTuber, die sich mit gewissen Themen befassen, sind notwendigerweise schlecht. Manche bemühen sich sogar, Diagramme und Schaubilder in ihre Videos einzufügen. Trotzdem bleibt es nervig, die Wiedergabe ständig zu pausieren, um relevante Information letztlich dann doch zu lesen. Auch zur Extraktion von Einzelinformationen („welche Farbabweichungen hat dieser Monitor nochmal…“) sind Videos, gelinde gesagt, unbrauchbar. Man muss sich also überlegen, ob man diesen besorgniserregenden Trend weiter unterstützt, oder endlich mal den nötigen Mittelfinger ausstreckt.

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