Gillette hat einen neuen Werbespot veröffentlicht, der die Herzen der Hashtag-Aktivisten höher schlagen lässt. Endlich werden wichtige Themen wie toxische Maskulinität auch in der Werbung aufgegriffen. Dazu gibt es gleich ein paar nützliche Tipps, wie man auch kleine Jungs und heranwachsende Männer in duckmäuserische Muschis verwandelt, die später mal garantiert keiner Frau physisch nahe kommen. Einschlägige Blogs wie die Scary Mommy jauchzen und frohlocken natürlich angesichts dieser öffentlichen Bestätigung ihrer garantiert ungiftigen Meinungen. Hinter das firmeneigene Motto „The Best That Men Can Be“ setzt Gillette hier ein Fragezeichen und nimmt ganz spezifisch Bezug auf die „Metoo“-Debatte. Es werden recht plakativ ein paar „typisch männliche“ Verhaltensweisen gezeigt und nach erwähntem Fragezeichen in der zweiten Hälfte des Spots gleich Lösungen für diese Verhaltensweisen angeboten. Klingt seltsam? Schaut euch den Clip am besten selbst an:

Nehmen wir mal unter die Lupe, was die Achselhaarfraktion des Internets in solche Verzückung versetzt.

Mobbing in der Schule

Gewalt und Mobbing in der Schule sind manchmal ernst zu nehmende Probleme. Sie komplett aufs männliche Geschlecht zu projizieren ist allerdings wahrhaftig lächerlich und unrealistisch. Mädchen stehen den Jungs in nichts nach, zumindest was verbale und schriftliche Attacken angeht. Und die stilisierten Textnachrichten im Video… „Sissy“ oder „Loser“? Ich habe Mädchen im Kindergartenalter schon schlimmeres sagen hören, aber wahrscheinlich darf man das im Ami-TV nicht zeigen.

Sexismus und Sexualisierung in den Medien

Drei Jungs, die offensichtlich Hausarrest haben, sitzen vor unangerührtem Popcorn auf der Couch und sehen halbnackte Gestalten im Fernsehen. Man sollte meinen, das Thema „Reduzierung der Frau auf ihren Körper“ in den Medien sei schon ausgelutscht, aber da ist es ja wieder. Mein Kommentar dazu: Verbietet einfach jegliche Nacktheit in den Medien, dann kommt es auch garantiert zu keinen sexuellen Übergriffen mehr. In Ländern wie Pakistan, Ägypten, Syrien, Iran etc. funktioniert das schon seit Jahrzehnten bestens und ich bin nach wie vor verwundert, dass bisher keine feministische Massenauswanderung in diese Länder stattgefunden hat.

Mansplaining

Hieß früher auch einfach „Klugscheißerei“. Wer sich im Jahr 2019 nicht dagegen wehren kann, ohne Hashtags zu benutzen, hat in einem Betrieb nichts und in einer Chefetage schon dreimal nichts verloren.

Kinder, die sich raufen

Wer sich durch zwei raufende Jungs gestört fühlt, müsste beim Lesen der Nachrichten eigentlich jedes Mal ein schweres emotionales Trauma erleiden. Der Durchschnittskindergärtnerin aus behütetem Hause ist das wahrscheinlich etwas schwer zu vermitteln, aber Raufen ist bei allen jungen Säugetieren des Planeten ein essentieller Bestandteil der Entwicklung. Natürlich liegt es in der Verantwortung Erwachsener, darauf aufzupassen, dass das ganze nicht eskaliert oder jemand verletzt wird. In Gillette’s Spot ist das eine Reihe an Grills stehender Männer, die stimmlos das Mantra „Boys will be boys“ intonieren.

Für diese düstere Inszenierung roboterartiger Einfaltspinsel musste die Werbeagentur schon tief in der untersten Propagandaschublade wühlen… Man beachte: Die Leute, die sich sonst dafür einsetzen, dass Jungs mit Puppen und Mädels mit Transformers spielen dürfen und behauptet, alle Menschen seien gleich, tischen uns hier Dämonisierung kindlichen Verhaltens und plumpe Geschlechts-Stereotypen auf.

Männer, die auf Frauen zugehen

Letztes Wochenende saß ich mit zwei bezaubernden jungen Frauen aus Osteuropa am Tisch und aß Pizza, da kam die Frage auf: Marco, warum sind deutsche Männer eigentlich so schüchtern? Da musste ich kurz verlegen lachen, denn die Antworten darauf sind so unterschiedlich wie kontrovers.

Die Misere des Datingmarktes wird auch im Spiegel diskutiert:

Ich frage die auffallend hübsche Mädels-Clique meiner Single-Freundin Cora, die gern über Clubs, Männer und Tinder reden, ob sie denn nicht auch häufig einfach so jemanden kennenlernen würden. Alle verneinen. „Ich wurde ewig nicht mehr auf offener Straße angesprochen“, sagt Cora. „Ich glaube, seitdem es Tinder und die ganzen anderen Apps gibt, haben es die Männer einfach nicht mehr nötig, ihren Mut zusammenzunehmen und Frauen direkt anzusprechen. Die sitzen in der Bahn und tindern, auch wenn ihnen eine coole Frau direkt gegenübersitzt.“ Die anderen nicken.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/singles-in-berlin-larissa-28-ueber-die-anstrengende-partnersuche-a-1125591.html

Und eine Autorin im oft männerfeindlichen „Bento“ schreibt über ihre sexuellen Vorlieben:

Ich steh auf harten, leidenschaftlichen Sex. Selbstbewusste, erfahrene Männer, die mich dominieren und sich dominieren lassen. Die keine Angst haben, mich kaputtzumachen oder mir wehzutun, wenn sie mal richtig zupacken. Und wenn’s doch mal zu doll wird, sag ich das schon.

https://www.bento.de/gefuehle/sexualitaet-die-checkliste-fuer-den-traummann-und-traumsex-a-00000000-0003-0001-0000-000001567931

Tja tut mir Leid, Ladies. Denn in einer Gesellschaft, in der Mann zunehmend kritisiert, bloßgestellt oder gar angezeigt wird, wenn er in der Liebe Initiative ergreift, müsst ihr euch wohl im Verzicht üben. Denn was ihr von einem Mann wollt, ist offiziell, jetzt auch in Werbung für Pflegeprodukte, „Not cool“.

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